NÄCHSTES SPIEL
SC Eltersdorf – SpVgg Bayreuth
25.09.2026 | 19:00 Uhr | ELSNER Sportpark Erlangen
Unsere Geschichte

Historie

  • 1920 - 1929
  • 1930 - 1939
  • 1940 - 1949
  • 1950 - 1959
  • 1960 - 1969
  • 1970 - 1979
  • 1980 - 1989
  • 1990 - 1999

Anfangsjahre im Arbeitersport

Nachdem im vorangegangenen Jahrzehnt bereits die späteren Lokalrivalen 1. FC Bayreuth und VfB Bayreuth (als Vorgängerverein FC St. Georgen) gegründet worden waren, jagte man ab 1921 auch in der Bayreuther Altstadt organisiert dem runden Leder nach. Der Boden hierfür war schon bereitet: Es existierten bereits verschiedene Straßenklubs wie etwa der „FC Stern“, eine Clique aus dem Geseeser Weg, die gegeneinander Fußball spielten.

Am 23. Juli 1921 versammelten sich also rund 20 junge Sportkameraden in einem Nebenzimmer der Gaststätte „Bamberger Hof“ (an der Stelle des heutigen „Frisco“), um im Turn- und Sportverein Bayreuth-Altstadt eine Fußball-Abteilung zu gründen. Jener FC Stern trat der neuen Fußballabteilung direkt bei und sorgte für den Beginn einer erfolgreichen Jugendarbeit.

Zu Duellen mit 1. FC und VfB kam es aber erst einmal nicht. Der Grund: Anders als die bürgerlichen Konkurrenten, die unter dem Dach des DFB spielten, gehörte die Altstadt als sprichwörtlicher „Arbeiterverein“ dem Arbeiter Turn- und Sportbund (ATSB) an.

Im Herbst 1925 schloss die junge Fußballabteilung einen Pachtvertrag über ein Grundstück auf der Jakobshöhe, für das jährlich 150 Reichsmark an die beiden Besitzer, die Brauerei Glenk und den Landwirten Georg Herath, entrichtet wurden. Eingefädelt hatte dieses Arrangement Johann Kasel – der ließ sich als Vorstand des Arbeiter-Gesangsvereins „Union“ im Gegenzug zusichern, dass Mitglieder des Fußballvereins dessen Singstunden besuchen.

Da der Hauptverein, der TuSpo Bayreuth-Altstadt, den Aufbau des Geländes nicht ausreichend unterstützte, beschloss man auf einer Mitgliederversammlung die Trennung – und auf Vorschlag von Konrad Altkofer die Gründung der „Freien Spielvereinigung Bayreuth-Altstadt“ mit den noch heute bekannten Vereinsfarben Schwarz und Gelb.

SPORTLICHE ENTWICKLUNG

Es sind nur wenige Ergebnisse aus den Anfangsjahren bekannt. Ab 1926 spielte man allerdings in der höchsten Liga im Arbeitersport, die A-Klasse Süd des Fußballbezirks 3 (Bayreuth-Hof) im Kreis 7 (Nordbayern). Der Meister dieser Spielklasse qualifizierte sich für die nachfolgenden Ausscheidungsspiele. Doch die Altstädter mussten zunächst anderen Vereinen den Vortritt lassen, namentlich dem VfR Bayreuth (1927, 1928), dem VfR Helmbrechts (1929) und dem TSV Kulmbach (1930).

PRÄGENDE PERSONEN​

Welche Spieler in den Anfangsjahren das Geschehen auf dem Platz prägten, ist nicht überliefert. Wie im Arbeitersport üblich, zählte das Kollektiv mehr als die Leistung einzelner. Dementsprechend lesen sich auch die Spielberichte, wo vielleicht einmal „der Torwart“, „der Halblinke“ oder „der Mittelläufer“ glänzte, auf eine namentliche Nennung aber verzichtet wurde.

Hervorzuheben unter den Gründervätern ist aber sicherlich Konrad Altkofer, der nicht nur einer der ersten eingetragenen Vorstände und Spieler der ersten Mannschaft (unter anderem beim Aufstieg in die A-Klasse im Jahr 1926) war, sondern auch für die Vereinsfarben Schwarz und Gelb verantwortlich ist.

  • DIE GRÜNDUNGSVÄTER
    K. Altkofer, G. Bauer, M. Bauer, M. Ebner, M. Himsel, F. Neubing, R. Niebler, G. Nützel 1, G. Nützel 2, P. Oßmann, G. Pritschet, H. Pritschet, A. Reusch, G. Sommerer, H. Schill, G. Schmidt, J. Schmidt, G. Walther, J. Wittauer – Erster Vorsitzender: Georg Pritschet
  • DIE AUFSTIEGSMANNSCHAFT VON 1926
    Staudt (TW), Neubing, Schramm, Schrödel, Körber, Kolb, Konrad Altkofer, Hans Altkofer, Hans Schneider, Walter, Hübner, Bauer, Küfner, Meyer und Fritz Schneider.

Erste Erfolge – dann verboten!

In den 1920er-Jahren wurde „Freie Spielvereinigung“ gegründet und fasste Fuß im fränkischen Arbeitersport. In den 1930er Jahren entwickelten sich die „Schwarz-Gelben“ dann zu einer echten Größe der lokalen Szene, freilich nach wie vor nicht in der bürgerlichen Struktur des DFB, sondern im Arbeiter Turn- und Sportbund. Die dortige Wettbewerbsstruktur sah vor, dass zunächst die Meister der A-Klassen – die Spielvereinigung trat in der A-Klasse Süd im Bezirk Bayreuth-Hof an – den Bezirksmeister ausspielten, der sich daran anschließend mit den anderen Meistern aus dem Spielkreis (Nordbayern) duellierte, bis hin zum Kreisfinale. Der Sieger des Kreises wiederum konnte sich über die Verbandsmeisterschaft (Süddeutschland), in der die verschiedenen Kreismeister aufeinandertrafen, für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft qualifizieren.

In der Saison 1930/31 qualifizierte sich die „FSVgg Bayreuth-Altstadt“ als Meister des Bezirks Bayreuth-Hof erstmals für die Ausscheidungsspiele im Kreis Nordbayern, in denen man denkbar knapp am FTSV Weiden scheiterte: Bis kurz vor Schluss führte die Altstadt, kassierte dann jedoch noch den Ausgleich und unterlag durch ein spätes Elfmeter-Gegentor in der Verlängerung mit 1:2. 

Nachdem man in der Saison 1931/32 dem BSC Bayreuth den Vortritt lassen musste, folgte in der Saison 1932/33 eine fast perfekte Spielzeit: Mit beeindruckenden 13 Siegen und nur einem Remis aus 14 Partien gewann die Altstadt souverän die A-Klasse Süd, nach der Bezirksmeisterschaft (1:0 gegen die FT Hof) und einem deutlichen 7:1 gegen die FT Regensburg qualifizierte man sich zudem erstmals für das Endspiel um die Kreismeisterschaft. Die Freie Spielvereinigung Bayreuth-Altstadt war damit eine der besten 34 Mannschaften des deutschen Arbeitersports.

Gegner im Finale war der TV Nürnberg-Gostenhof, Austragungsort das wenige Jahre zuvor eröffnete heutige Max-Morlock-Stadion mit seiner schon damals prägnanten achteckigen Form. Immerhin 4.000 Zuschauer fanden sich an jenem 19. Februar 1933 ein, die Partie hätte laut der anwesenden Journalisten jedoch deutlich mehr verdient gehabt: „Es gibt nur ein Wort des Lobes für das herrliche Kampfspiel der 22 Akteure und für das tadellose Benehmen der 22 Sportleute, die sich gestern […] gegenüberstanden. Wahrhaft meisterliche Leistungen konnte man da beobachten“, schrieb etwa das Nürnberger 8-Uhr-Blatt am Folgetag.

Gegen die favorisierten Nürnberger schlugen sich die Mannen von der Jakobshöhe mehr als achtbar, hatten in der ersten Hälfte nach einem Nürnberger Handspiel im Strafraum sogar die Chance auf die Führung, Mittelläufer Schmidt setzte den fälligen Strafstoß allerdings neben das Tor. Nach der Pause ging Nürnberg früh in Führung, worauf die Altstädter unbeeindruckt auf den Ausgleich spielten – doch nach einem Doppelschlag in der 60. und 63. Minute war die Partie entschieden, 0:3 aus Bayreuther Sicht hieß es dann auch am Ende.

Auch wenn es nicht zum großen Wurf reichen sollte: Die Fachzeitschriften attestierten dem aufstrebenden Klub aus Bayreuth eine große Zukunft, die Altstadt war endgültig auf der deutschen Fußball-Landkarte angekommen. Doch wie der gesamte Arbeitersport wurde sie kurz darauf durch die Nationalsozialisten wieder ausradiert.

DAS VERBOT​

Nach dem Kreisfinale gegen Nürnberg-Gostenhof absolvierten die Altstädter noch einige wenige Freundschaftsspiele, ehe der Verein durch die Nationalsozialisten, die erst wenige Wochen zuvor an die Macht gekommen waren, rigoros ausgelöscht wurde: Das Inventar wurde beschlagnahmt und teilweise öffentlichkeitswirksam verbrannt, der Verein verboten, aufgelöst und aus dem Vereinsregister gestrichen.

Das genaue Auflösungsdatum der Freien Spielvereinigung, die zu diesem Zeitpunkt drei Senioren- und mehrere Jugendmannschaften umfasste, ist nicht bekannt. Fest steht nur, dass auf der Jakobshöhe zwischen 1933 und 1945 kein Fußball gespielt wurde – weil der Verein nicht ins Weltbild der Nationalsozialisten passte.

PRÄGENDE PERSONEN​

Im großen Spiel gegen Nürnberg-Gostenhof stach Torwart Täuber hervor, außerdem überzeugten „Verteidigung, Mittelläufer und Rechtsaußen“ laut einer Nürnberger Zeitung – wie im Arbeitersport üblich wurde hier auf Namensnennungen verzichtet. Wer also das Spiel auf dem Feld prägte, ist wie schon in den zwanziger Jahren nur bedingt überliefert. Zu erwähnen ist Mittelstürmer Kasel, der sich allerdings im November 1932 dem bürgerlichen 1. FC anschloss und dort in seinem ersten Spiel direkt dreimal traf.

  • Fritz Kolb
    Als erster Trainer der Altstadt absolvierte er in den 1930er Jahren einen zweiwöchigen Trainerlehrgang in Leipzig

GROSSE SPIEL​

  • 1931: FTSV Weiden – FSVgg Bayreuth-Altstadt 5:9 (Freundschaftsspiel) Die Altstadt verpasst den bereits überregional erprobten Weidenern, an denen man zuvor noch im Vergleich auf Bezirksebene gescheitert war, eine „hübsche Packung“ (Fränkische Volkstribüne)
  • 1932: BSC Bayreuth – FSVgg Bayreuth-Altstadt 2:4 (Erster Spieltag A-Klasse 1932/33) Vor 1.200 Zuschauern dominiert die Altstadt zum Saisonauftakt den amtierenden Bezirksmeister – es ist der Auftakt der fast perfekten Saison mit 13 Siegen und einem Remis
  • 1933: FSVgg Bayreuth-Altstadt – TSV Nürnberg-Gostenhof 0:3 (Finale um die Kreismeisterschaft Nordbayern) Das erste große Spiel der Vereinsgeschichte vor 4.000 Zuschauern im heutigen Max-Morlock-Stadion – gleichzeitig das letzte Pflichtspiel vor dem Verbot durch die Nationalsozialisten. Aufstellung: Täuber, Wölfel, Steuer, Altkofer, Schmidt, Dornhöfer, Küfner, Hösch, Schröder, Löwlein, Walther.

WAS SONST NOCH GESCHAH​

  • Nach dem Verbot durch die Nationalsozialisten schlossen sich einige Fußballer dem bürgerlichen Lager an. Voraussetzung dafür war, dass sie zwei Bürgen für sich finden konnten.
  • Der 1. FC Bayreuth qualifizierte sich 1933 und 1935 zweimal für die neu eingeführte Gauliga Bayern und konnte sich dort mit Vereinen wie dem 1. FC Nürnberg, dem TSV 1860 München und dem FC Bayern München messen. Beide Male stieg man jedoch sofort wieder ab.
  • Die Nationalsozialisten gründeten den „Fußball-Sportverein Bayreuth“ (der nichts mit dem heutigen FSV Bayreuth zu tun hat), in dem Partei und Politik mehr im Vordergrund standen als der Sport. Die Begeisterung in der Bevölkerung hielt sich in Grenzen, in der lokalen Presse fand das Konstrukt gar keine Erwähnung.

Wiederaufbau in Hakenkreuzhosen

Bayreuth und ganz Deutschland liegen nach dem 2. Weltkrieg in Trümmern, doch wie im ganzen Land beginnt auch auf der Jakobshöhe rasch der Wiederaufbau: Nachdem die Nazis die Altstädter Fußballer 1933 (damals noch unter dem Namen FSVgg Bayreuth-Altstadt) ausradiert hatten, wurde der Verein am 4. November 1945 zum zweiten Mal gegründet – Hans Pritschet hatte zuvor bei der amerikanischen Militärregierung in der Richard-Wagner-Straße die Wiedergründung beantragt. Die „SpVgg Bayreuth“, wie sie nun heißt, war der erste Verein in der Umgebung, der diese Genehmigung erhielt.

Zwar findet schon eine Woche später gegen den TSV Donndorf das erste Spiel statt, es ist jedoch viel Arbeit notwendig, ehe auf der Jakobshöhe wieder von geregelten Abläufen gesprochen werden kann. Treffend fasst das ein Zitat der Bayreuther Fußballlegende Fritz Semmelmann zusammen: „Alles war verwildert: Die Kassen und Umkleidekabinen waren abgerissen, der Holzzaun verschürt, auf dem Altstädter Platz standen nur noch die beiden Tore. Da haben wir uns gesagt: ‚So, etz fanga ma an‘.“ Insgesamt 96 Personen – 50 „alte“ und 46 „neue“ Mitglieder packen zu Beginn an. 24 Altstädter Fußballer waren im sinnlosen Krieg gefallen, viele sind in Kriegsgefangenschaft.

Ihre ersten Spiele nach der Neugründung absolviert die SpVgg Bayreuth übrigens nicht im traditionellen Schwarz-Gelb, sondern ungewohnt in weißen Jerseys und roten Hosen (siehe Titelbild). Es war eine Ironie des Schicksals: Jene Hosen waren zuvor aus Hakenkreuzfahnen genäht worden – und ein weißes Hemd hatte noch jeder zu Hause. „Wir sind in der Altstadt herumgelaufen, in die Häuser ehemaliger Spieler, die im Krieg gefallen sind oder in Gefangenschaft saßen, haben nach Fußballschuhen, Strümpfen und Trikots gefragt“, erinnert sich Fritz Semmelmann später.

Fußball auf der (damals noch nicht ausgebauten) Jakobshöhe.Nach einem Jahr in der fünftklassigen Bezirksklasse Bayreuth spielt die Altstadt ab 1946 in der Gruppenliga Oberfranken Ost (später Kreisliga Oberfranken Ost), in der es nun gegen Mannschaften wie den VfB Helmbrechts, den SV Mitterteich oder den FC Stadtsteinach geht – und natürlich gegen die Lokalrivalen VfB und 1. FC Bayreuth, gegen die es vor dem Krieg keine Pflichtspiele gegeben hatte, immerhin war man in unterschiedlichen Dachorganisationen aktiv gewesen.

Von nun an elektrisieren diese Lokalderbys aber die Bayreuther Bevölkerung. Trotz einiger Achtungserfolge ist die Spielvereinigung aber noch die dritte Kraft in der Stadt – das wird sich im nächsten Jahrzehnt aber ändern …

PRÄGENDE PERSONEN​

  • Der Nachkriegs-Kader
    Schill, Füssmann, Hofmann, Karl, Altkofer, Semmelmann, Körper, Schrödel, Thal, Wittauer, Hacker, Böhm, Bubmann, Hamann, Hösch, Krämer, Melzer, Meyer, Pötzinger, Retsch, Schmidt, Täuber, Thannreuther
  • Rudi Sommerer
    Der „Knacker“, dessen Sohn Uwe später in der 2. Liga für Furore sorgt, absolviert im Jahr 1953 bereits sein 250. Spiel für die Altstadt.
  • Hans Hacker
    Der Linksaußen erzielt in 160 Spielen 70 Tore.
  • Paul Guhl
    Der Torwart ist einer der der besten seines Fachs, nicht umsonst wird er später in die Bayernauswahl berufen.
  • Fritz Semmelmann
    Seine fußballerischen Höhepunkte erlebt die Altstädter Legende in den 1950er Jahren, doch schon in den Jahren nach dem Krieg ist der 1928 geborene Außenläufer eine der wichtigsten Personen im Verein.

GROSSE SPIEL​

  • 1945: SpVgg Bayreuth – 1. FC Bayreuth 3:1 (Freundschaftsspiel) Im mit Spannung erwarteten ersten Derby setzt sich die Altstadt überraschend deutlich mit 3:1 durch – den Rückstand zur Pause drehen Doppelpacker Hösch und Bubmann in einen Sieg.

DIE SAISONS IM ÜBERBLICK​

  • 1945/46: Bezirksklasse Bayreuth (5. Liga)
  • 1946/47: Gruppenliga Oberfranken Ost (4. Liga)
  • 1947/48: Gruppenliga Oberfranken Ost (4. Liga)
  • 1948/49: Kreisliga Oberfranken Ost (4. Liga)
  • 1949/50: Kreisliga Oberfanken Ost (4. Liga)
    10. Platz – 15:27 Punkte

WAS SONST NOCH GESCHAH​

  • In der gesamten Stadt entstehen neue Fußballplätze und Stadien – hervorzuheben ist dabei der 1. FC Bayreuth, der sich an der Röth ein modernes Stadion baut.
  • Bis das FC-Stadion fertig ist, trägt der Rivale seine Heimspiel auf der Jakobshöhe aus.
  • Auf dem Feld geht es noch recht ruppig zu. Erstaunlich nüchtern schildert dies ein Spielbericht zur Partie beim FC Münchberg vom 29. August 1948: Der Schiedsrichter, der auf den Anstoß zeigte und die Altstädter, eingehakt und glücklich auf die Mitte zugehend, hatten keine Ahnung von dem, was noch kommen sollte. Ein Spieler der Gastgeber kam blitzschnell hinter Semmelmann und trat ihn mit voller Wucht, sodass dieser liegen blieb. Als der Schiedsrichter das merke und den Fall untersuchen wollte, brach auf der anderen Seite Hacker zusammen, ebenfalls durch einen Tritt verletzt. Es war dem Unparteiischen Bender, Kulmbach, nicht möglich, die Täter jeweils festzustellen, weil er es nicht sehen konnte. Fünf Minuten vor Schluss, als Münchberg noch einmal durchbrechen konnte, wurde Sommerer durch einen regelrechten K.O-Schlag ins Gesicht ins Gesicht hingestreckt. Diesmal aber wurde es gesehen und der Münchberger Kilian musste den Platz verlassen. Sommerer lag noch besinnungslos auf dem Platz, als die Zuschauer schon den Schlusspfiff erlebten und den Platz räumten.

Der „Mythos Jakobshöhe“ entsteht

Das vierte Jahrzehnt der Vereinshistorie ist das erste, in dem auch tatsächlich von Anfang bis Ende gespielt wird. Nach dem Gründungsjahrzehnt (1921 bis 1930) war der Verein ab 1933 aufgelöst und erst nach dem Krieg wieder gegründet worden. Auf der Jakobshöhe kann also endlich mit Kontinuität gearbeitet werden – und das schlägt sich direkt in sportlichen Erfolgen nieder.

Nach vier Jahren in der Kreisliga, in der die Gegner noch Heinersreuth, Stadtsteinach und Geroldsgrün heißen, gelingt 1954 der Aufstieg in die Bayernliga: Nach dem ersten Platz in der Liga setzen sich Paul Guhl, Fritz Semmelmann, Georg Wippenbeck und Co. in der langwierigen Aufstiegsrunde gegen Eibelstadt, Südwest Nürnberg, Haßfurt, Pressig und die SpVgg Erlangen mit sieben Siegen, zwei Remis und nur einer Niederlage durch. In der „I. Amateurliga Nordbayern“ spielt man nun endlich wieder auf Augenhöhe mit den Bayreuther Rivalen FC und VfB.

5.000 ZUSCHAUER SEHEN DIE STADTDERBYS GEGEN FC UND VFB​

Und im ersten Jahr schwingt sich die SpVgg direkt zum inoffiziellen „Stadtmeister“ auf: Am ersten Spieltag wird der VfB mit 5:0 von der Jakobshöhe geschossen, wenige Wochen später erleidet der FC dasselbe Schicksal und muss beim 3:5 die Segel in der Altstadt streichen. Jeweils rund 5.000 begeisterte Fans sehen die Spektakel auf der Jakobshöhe, die in den Folgejahren schrittweise ausgebaut wird und sich zu einer echten „Festung“ entwickelt. Auch die jeweiligen Rückspiele gehen an die Gelb-Schwarzen, die am Ende der Saison einen respektablen fünften Platz erreichen – der VfB und der 1. FC Bayreuth landen auf dem siebten bzw. zehnten Rang.

Im Folgejahr, der Saison 1955/56, gewinnt der VfB Bayreuth um den zweimaligen Olympia-Teilnehmer Jumbo Zeitler den Ligatitel und anschließend auch die bayerische Meisterschaft, der Aufstieg in die 2. Liga bleibt den Prellmühlern in der anschließenden Aufstiegsrunde aber verwehrt.

MIT JUMBO ZEITLER IN DIE 2. LIGA​

Nun hat endgültig die Zeit der Altstadt geschlagen: 1957 wird man Dritter, 1958 Zweiter und 1959 schließlich Meister der Amateurliga Nordbayern – FC und VfB komplettieren die Bayreuther Dominanz und landen 1958/59 auf den Plätzen 2 und 3. Ein Erfolgsgarant bei der Meisterschaft ist Jumbo Zeitler, der vor der Saison vom VfB auf die Jakobshöhe gewechselt war – und die Altstadt nach dem Gewinn der bayerischen Meisterschaft gegen Schwaben Augsburg (2:0 in Bayreuth / 0:0 in Augsburg) gemeinsam mit seinem Nationalmannschaftskollegen Fritz Semmelmann auch in die 2. Liga führt: Im entscheidenden Spiel gegen den VfB Pforzheim gelingt Zeitler in der 107. Minute der entscheidende Treffer zum 2:1.

In der 2. Liga Süd geht es ab 1959 gegen klangvolle Namen wie Waldhof Mannheim, Hessen Kassel oder Darmstadt 98. Die Altstadt schlägt sich in ihrem ersten Jahr mehr als achtbar und erreicht am Ende einen sensationellen fünften Platz. Dabei begeistert die SpVgg um das Trio Fritz Semmelmann (22 Tore), Hans Zeus (18) und Jumbo Zeitler (16) vor allem offensiv und schießt 83 Tore – die meisten der Liga! Ein weiterer Erfolgsgarant ist der Hexenkessel auf der Jakobshöhe, in dem sagenhafte 14 von 17 Spielen gewonnen werden.

Zum ersten Mal nimmt die Altstadt 1959 außerdem am DFB-Pokal teil und liefert dem späteren Finalisten Karlsruher SC einen erbitterten Kampf – erst nach Verlängerung geht die Partie vor 9.000 Fans auf der Jakobshöhe mit 1:3 verloren.

Fußball-Deutschland sieht: In Bayreuth entwickelt sich was!

Prägende Personen

  • Paul Guhl
    Guhl, der schon in den 1940er Jahren zwischen den Pfosten steht, hütet quasi für das komplette Jahrzehnt das Altstädter Tor und hat damit großen Anteil an den Erfolgen des Vereins.
  • Georg Wippenbeck
    Der Blondschopf ist für lange Jahre eine feste Größe in der Altstädter Defensive, in den 1960er Jahren ist er zudem als Trainer tätig.
  • Fritz Semmelmann
    Der Außenläufer spielt auf konstant hohem Niveau und wird mit der Berufung in die B-Nationalmannschaft sowie ins Olympiateam 1956 belohnt. Mit ihm als Spielertrainer steigt die Altstadt in die 2. Liga auf, wo er mit 22 Toren bester Schütze seiner Mannschaft wird. Ohne Fritz Semmelmann wäre der sportliche Aufschwung mit Sicherheit nicht geglückt!
  • Jumbo Zeitler
    Er verstärkt die SpVgg ab 1958, nachdem er seine erfolgreichsten Jahre beim VfB gehabt hatte – und sich sogar berechtigte Hoffnungen auf eine Nominierung in den WM-Kader 1954 machen durfte. Er lief zwar nur für zwei Jahre für die SpVgg auf, ohne ihn wäre der Aufstieg in die 2. Liga aber womöglich nicht geglückt. Zweifelsohne ist er einer der größten Fußballer, die Bayreuth hervorgebracht wird.
  • Die Meistermannschaft 1954
    Paul Guhl – Rudi Sommerer, Bauer, Herbert Hacker, Basler, Piesuir, Georg Wippenbeck, Hans Walder, Eichmüller, Fritz Semmelmann, Neubing.
  • Der Meisterkader 1959
    Paul Guhl, Richard Heumann, Dieter Schott – Alfred Dörfler, Willi Friedrich, Herbert Hacker, Heim, Heinz Klingenbeck, Hubert König, Adolf Lindner, Willi Rausch, Johann Schif, Fritz Semmelmann, A. Voll, Hans Walder, Georg Walther, Rudi Weber, Georg Wippenbeck, Johann Zeitler.

GROSSE SPIEL​

  • 1954/55: SpVgg Bayreuth – VfB Bayreuth 5:0 (Bayernliga) Im ersten Spiel nach dem Aufstieg schießen die Altstädter vor 4.500 Zuschauern den Stadtrivalen von der Jakobshöhe – Fritz Semmelmann trifft dreifach, die weiteren Tore erzielen Neubing und Walder. Wenige Wochen später sehen 5.000 Zuschauer ein 5:3 gegen den Bayreuther „Club“.
  • 1956: Deutschland – UdSSR 1:2 (Olympische Spiele in Melbourne, Viertelfinale) Gegen die „Staatsamateure“ der Sowjetunion stehen mit Fritz Semmelmann und Jumbo Zeitler zwei Bayreuther für Deutschland auf dem Feld und schrammen und knapp an der Überraschung gegen den späteren Turniersieger vorbei, der unter anderem mit Torwartikone Lew Jaschin aufwartet.
  • 1958/59: SpVgg Bayreuth – TSV Schwaben Augsburg 2:0 (Endspiele um die bayerische Meisterschaft) 9.000 Zuschauer, so viele wie noch nie, feiern auf der Jakobshöhe dank Toren von Adolf Lindner und Jumbo Zeitler einen 2:0-Sieg im Hinspiel gegen Schwaben Augsburg. Eine Woche später begleiten rund tausend Bayreuther ihre Mannen in die Fuggerstadt, wo man sich durch ein 0:0 den ersten bayerischen Meistertitel sichert.
  • 1958/59: VfR Pforzheim – SpVgg Bayreuth 1:2 n.V. (Aufstiegsrunde zur 2. Liga Süd) Im entscheidenden Spiel um den Aufstieg in die 2. Liga bieten sich Pforzheim und die Altstadt einen erbitterten Kampf über 120 Minuten, anderen Ende die Mannen aus der Wagnerstadt die glücklichen, aber verdienten Sieger sind. Das goldene Tor erzielt Jumbo Zeitler in der 107. Minute. Im heimischen Bayreuth fiebern Tausende vor der Milchbar mit, wo Oberbürgermeister Hans Walter Wild eine Live-Übertragung initiiert.
  • 1959/60: SpVgg Bayreuth – Karlsruher SC 1:3 n.V. (DFB-Pokal) Im ersten DFB-Pokalspiel der Geschichte liefert der Zweitligaaufsteiger dem amtierenden Meister der Oberliga Süd, dem Karlsruher SC, einen erbitterten Kampf. Den Rückstand in der 18. Minute kann Fritz Semmelmann nach wenigen Minuten egalisieren. „Der Zweitligist übertraf sich in diesem Pokalspiel selbst. Er lieferte dem keineswegs enttäuschenden KSC eine farbige Partie“, schreibt später der kicker, der in der zweiten Hälfte sogar Vorteile für die Altstadt sah: „Die zweite Spielhälfte stand sogar im Zeichen des Zweitligisten, der ständig mit stürmischen Angriffen aufwartete, aber meist an dem überragenden Stopper Witlatschil hängenblieb.“ So aber geht es in die Verlängerung, in der sich die Karlsruher schließlich doch durchsetzen – und später im Pokal bis ins Finale kommen.
  • 1959/60: SpVgg Bayreuth – Amicitia Viernheim 7:3 (2. Liga Süd) Der beste Angriff der Liga wirbelt Viernheim ordentlich durch. Wieder mal sind Fritz Semmelmann und Jumbo Zeitler unter den Torschützen: „Der Fritz und ich haben zusammen sechs von sieben Toren geschossen. Der Fritz fünf und ich eins!“, scherzt Zeitler später. Das siebte Tor steuert Rausch bei. Der höchste Sieg der Saison ist es nicht: In den ersten beiden Heimspielen nach dem Aufstieg werden der VfB Helmbrechts mit 7:1 und der FC Singen mit 6:1 von der Jakobshöhe geschossen.

DIE SAISONS IM ÜBERBLICK​

  • 1950/51: Kreisliga Oberfranken Ost (4. Liga)
    9. Platz – 37:52 Tore – 20:28 Punkte
  • 1951/52: Kreisliga
    3. Platz – 50:37 Tore – 31:21 Punkte
  • 1952/53: Kreisliga
    5. Platz – 51:35 Tore – 25:23 Punkte
  • 1953/54: Kreisliga
    1. Platz – 65:30 Tore – 37:13 Punkte
    1. Platz in der Aufstiegsrunde zur 1. Amateurliga Nordbayern
  • 1954/55: Bayernliga Nord (3. Liga)
    5. Platz – 50:42 Tore – 27:21 Punkte
  • 1955/56: Bayernliga
    8. Platz – 43:56 Tore – 26:26 Punkte
  • 1956/57: Bayernliga
    3. Platz – 56:41 Tore – 32:24 Punkte
  • 1957/58: Bayernliga
    2. Platz – 72:41 Tore – 39:21 Punkte
  • 1958/59: Bayernliga
    1. Platz – 76:33 Tore – 47:13 Punkte
    Bayerischer Amateurmeister (2:0 und 0:0 gegen Schwaben Augsburg)
    Aufstieg in die 2. Liga Süd (2:1 n.V. gegen VfR Pforzheim)
  • 1959/60: 2. Division (2. Liga)
    5. Platz – 83:63 Tore – 40:28 Punkte
    Recherche durch Stephan Müller im Rahmen des Buchs „100 Jahre SpVgg“

WAS SONST NOCH GESCHAH​

  • 1952 wird der SpVgg die Hälfte des Grundes, auf dem das Stadion auf der Jakobshöhe steht, überschrieben (der andere Teil gehört nach wie vor der Brauerei Glenk). Die Witwe des vormaligen Besitzers Georg Herath stellt es der generös dem aufstrebenden Stadtteilklub zur Verfügung. Voraussetzung: Die SpVgg muss sich um die Grabpflege ihres Gatten kümmern.
  • Im Laufe des Jahrzehnts wird die Jakobshöhe, die einst ein Kartoffelacker und später ein besserer Sportplatz war, Schritt für Schritt zum echten Stadion ausgebaut. Während der Saison 1955/56, in der die SpVgg ins FC-Stadion ausweicht, wird eine Drainage installiert und der Rasen neu angesät, außerdem erhält das Stadion befestigte Stehränge. Vor dem Schlagerspiel gegen Schwaben Augsburg um die bayerische Meisterschaft (1959) wird die Kapazität des Stadions buchstäblich über Nacht noch einmal erweitert. Und das größtenteils in Eigenleistung: Sogar die Meistermannschaft packt bei den Umbaumaßnahmen mit an und sorgt damit dafür, dass 9.000 Zuschauer im Hexenkessel Jakobshöhe Platz finden. (Recherche: Uwe Glaser)
  • Fritz Semmelmann und Jumbo Zeitler sorgen mit der bayerischen Amateurauswahl für Furore und gewinnen dreimal den Länderpokal. Darüber hinaus sind sie fester Bestandteil der Amateur-Nationalmannschaft und spielen dort an der Seite etwa von Helmut Rahn oder Uwe Seeler – Semmelmann bringt es auf 14, Zeitler auf 13 B-Länderspiele. Gemeinsam stehen die beiden Bayreuther Ausnahmespieler außerdem 1956 bei den Olympischen Spielen in Melbourne für Deutschland auf dem Platz. Zeitler hatte bereits 1952 die deutsche Fahne vertreten.
  • Als einziger Bayreuther absolviert Jumbo Zeitler 1952 außerdem ein A-Länderspiel, beim 3:0 gegen Luxemburg trägt er sich sogar in die Torschützenliste ein. Fritz Semmelmann bleibt diese Ehre nicht vergönnt, obwohl er von 1954 bis 1958 zum erweiterten Kader von Bundestrainer Sepp Herberger gehört.

Größler übernimmt für Semmelmann

Nach zwei berauschenden Jahren, in denen die Altstadt erst ihre erste bayerische Amateurmeisterschaft und den Aufstieg in die 2. Liga erringt und dann dort einen sensationellen fünften Platz erreicht, wird der Altstädter Höhenflug erst einmal gestoppt. Ursächlich ist dabei sicher auch, dass sich Aufstiegsheld Jumbo Zeitler, der trotz seiner 33 Jahren drittbester Torschütze in der Premierensaison in der 2. Liga war (16 Tore), 1960 als Spielertrainer dem 1. FC Bayreuth anschließt. Kann 1960/61 der Abstieg aus der 2. Liga noch haarscharf abgewendet werden, ist es ein Jahr später so weit: Mit nur acht Siegen (darunter ein 7:6 bei Schlusslicht ASV Cham) verabschiedet man sich wieder aus dem gehobenen Amateurfußball.

Manne übernimmt für Fritz

Zurück in der Bayernliga folgt ein personeller Umbruch mit zahlreichen Jugendspielern – auch ein gewisser Manfred Größler läuft 1962/63 im zarten Alter von 18 Jahren erstmals für die erste Mannschaft auf. Gewissermaßen wird in dieser Saison der Staffelstab übergeben: Fritz Semmelmann, die Altstädter Leitfigur der Nachkriegsjahre, spielt seine letzte Saison; Größler, der noch 1982 in der 2. Bundesliga auf dem Platz stehen wird und bis dahin mit seiner Altstadt zahlreiche Erfolge gefeiert haben wird, seine erste. Gemeinsam stehen die beiden in der Liga jedoch nicht mehr auf dem Platz – Größler debütiert zwölf Tage, nachdem sich Semmelmann im Derby beim FC einen Unterschenkelbruch zugezogen hatte.

Am Ende der Saison erreicht die anfangs schwächelnde SpVgg – auch dank Größler – nach einer starken Rückrunde mit zehn Siegen, drei Remis und nur vier Niederlagen den vierten Platz und qualifiziert sich für die neue, nun eingleisige Bayernliga – der 1. FC Bayreuth, der nur vier Punkte weniger auf dem Konto hat, schafft die Qualifikation hingegen nicht.

Die nächsten Jahre in der Bayernliga verlaufen vergleichsweise unspektakulär – zumindest was die Endplatzierungen anbelangt: Außer in der Saison 1965/66, in der man in den letzten Saisonwochen einen komfortablen Vorsprung und damit den Aufstieg in die Regionalliga verspielt, geht es am Ende um nicht mehr viel. Unterhaltsam sind die Geschehnisse auf der Jakobshöhe freilich immer: Vier Tore fallen im Schnitt (!) Bayernliga-Jahren. Beispiele: ein 8:2-Sieg in Lichtenfels im Jahr 1965 (das Rückspiel ging kurioserweise mit genau demselben Ergebnis verloren), 1966 ein 8:5 gegen Wacker München, 1967 wiederum ein 7:7 gegen Lichtenfels – von diesen Spielen gab es so einige.

Die SpVgg Bayreuth in der Saison 1968/69.1969 gelingt der Aufstieg in die Regionalliga

Prägend für das Bayreuther Offensivspiel ist Manfred Größler, der in diesen Jahren mehr und mehr Unterstützung erhält: 1966 wechselt Herbert Horn aus Creußen auf die Jakobshöhe, 1967 und 1968 dann nacheinander Kurt Persau und Bruno Dvorak, beide vom Stadtrivalen VfB. Und so hat die Altstadt in der Saison 1968/69 unter Trainer Willibald Hahn eine schlagkräftige, über die Jahre gewachsene Mannschaft zusammen, die durch einen starken Endspurt mit dem zuvor schon enteilt geglaubten BC Augsburg gleichzieht. Die besten Torschützen der Altstadt in dieser Saison – natürlich nach Manne Größler (34 Tore in 34 Spielen): Persau, Dvorak, Horn.

Zum Held des Entscheidungsspiels um die bayerische Meisterschaft gegen den BC Augsburg wird aber ein anderer: Erich Scholti erzielt zwei seiner insgesamt 14 Tore in diesem „Spiel der Spiele“ und bringt die Altstadt in der ersten Hälfte mit 2:0 in Führung. Für die Entscheidung vor 6.500 Zuschauern sorgen nach der Pause Manfred Größler und Bruno Dvorak. Die Partie endet 4:0, die Altstadt ist bayerischer Amateurmeister – gleichbedeutend mit dem Aufstieg in die Regionalliga Süd!

Die Jakobshöhe platzt aus allen Nähten

Dort trifft die Altstadt nicht nur zum ersten Mal in Ligaspielen auf die oberfränkische Nummer 1 Bayern Hof, sondern auch auf den 1. FC Nürnberg, der gerade als Meister aus der Bundesliga abgestiegen ist. Es sind neue Dimensionen, in die die Fußballer von der Jakobshöhe vorgestoßen sind: In Nürnberg sind 16.000 Zuschauer vor Ort, in Hof beim ersten oberfränkischen Derby in einer der ersten beiden Spielklassen 11.000; und auch die erneut ausgebauten Jakobshöhe platzt so manches Mal aus allen Nähten, im Schnitt kommen 6.500 Zuschauer zu den Heimspielen.

An den Auftritten auf der Jakobshöhe liegt es am Ende nicht, dass die Altstadt nach nur einem Jahr wieder absteigen muss (nur fünf der 19 Spiele auf der Jakobshöhe gehen verloren). Vielmehr offenbaren die Gelb-Schwarzen eine eklatante Auswärtsschwäche, nur eine Partie in der Fremde wird gewonnen. Deshalb ist es fast logisch, dass auch das in Fürth ausgetragene Entscheidungsspiel gegen den ESV Ingolstadt, mit dem die Altstadt am Ende punktgleich ist, mit 2:5 verloren geht.

Wie schon zu Beginn des Jahrzehnts ist das „Abenteuer 2. Liga“ für Bayreuth schnell zu Ende. Doch dieses Mal soll die Rückkehr schneller erfolgen – und wie!

Prägende Personen

  • Manfred Größler
    Der Angreifer kommt 1962 im Alter von 18 Jahren und übernimmt die Rolle von Fritz Semmelmann als das Gesicht der Altstadt – und zwar bis 1982! Insgesamt rund 700 Mal läuft er für die Gelb-Schwarzen auf, dabei erzielt er weit über 300 Tore.
  • Dieter Stenger
    55 Tore in 173 Spielen gelingen dem Angreifer von 1961 bis 1968, er ist damit neben Größler die verlässlichste Altstädter Offensivkraft.
  • Günter Bachofner
    Blutjung debütiert Günter Bachofner im Alter von 19 Jahren 1959/60 in der 2. Liga, und der Defensivmann wird das darauffolgende Jahrzehnt entscheidend mitprägen. Insgesamt spielt steht er in 321 Spielen auf dem Platz – und damit häufiger als jeder andere Altstädter.
  • Erich Scholti
    Bis zum heutigen Tag ist Erich Scholti als Verantwortlicher der Altherren-Mannschaft für die SpVgg aktiv. Als Spieler hat er im Entscheidungsspiel gegen Augsburg im Jahr 1969 seinen großen Moment: Sein Doppelpack ebnet den Weg zum Aufstieg in die Regionalliga, in der er auch immerhin 20 Mal zum Einsatz kommt.
  • Herbert Horn
    Als 17-Jähriger wechselt Herbert Horn 1966 aus Creußen auf die Jakobshöhe und entwickelt sich wegen seines Kampfgeists schnell zum Publikumsliebling – und zum Dauerbrenner: Bis zu seinem Karriereende im Alter von 33 Jahren, 1983 in der Bayernliga, verpasst er kaum ein Spiel. Am Ende hat er das SpVgg-Trikot knapp 700 Mal getragen.
  • Kurt Persau
    Kurt Persau kommt 1967 vom VfB auf die Jakobshöhe und ist schon in seiner ersten Saison mit 24 Toren zweitbester Torschütze hinter Manfred Größler. Auch am Wiederaufstieg in der Saison 1970/71 hat er mit 25 Toren großen Anteil. Insgesamt trifft er 73-mal in 153 Ligaspielen.
  • Bruno Dvorak
    Bruno „Rak“ Dvorak wechselt wie Persau von der Prellmühle auf die Jakobshöhe und wird ebenso eine feste Größe der Offensive. 81 Tore erzielt er von 1968 bis 1973.
  • Der Meisterkader 1969
    Karl Stangl, Werner Sonntag – Günter Fuchs, Manfred Hempfling, Günter Bachofner, Bruno Dvorak, Manfred Größler, Herbert Horn, Werner Größler, Wolfgang Kauper, Helmut Peez, Rainer Kolb, Kurt Persau, Günter Ponfick, Michael Samodi, RolandSchirmer, Erich Scholti, Hans Semmelmann, Klaus Thau, Harald Ullmann – Trainer: Willibald Hahn.

GROSSE SPIEL​

  • 1961/62: Hessen Kassel – SpVgg Bayreuth 0:1 (2. Liga Süd) Als Tabellenletzter ist die Altstadt im Oktober 1961 zu Gast bei Spitzenreiter Hessen Kassel – und zwar ohne den erkrankten Kapitän Fritz Semmelmann. Jeder, wohl auch die Bayreuther Gäste, rechnen mit einem klaren Sieg der Nordhessen. Doch Dieter Stenger bringt die SpVgg in der 24. Minute in Führung, und diese Führung hält bis zum Schluss, obwohl Torwart Paul Guhl eine Gehirnerschütterung erleidet und sich Heinz Müller und Dieter Stenger während des Spiels ebenfalls verletzen (Spielerwechsel sind noch nicht gestattet!). Der Frust der Kasseler Zuschauer entlädt sich während des Spiels in überschäumender Wut auf den Schiedsrichter und fliegenden Bierflaschen in Richtung Bayreuther Spieler, nach der Partie lauern schließlich gut tausend Heimfans am Stadiontor. Zu ihrer eigenen Sicherheit müssen die Altstädter mehrere Stunden in der Kabine verweilen, ehe sie dann doch die Heimfahrt antreten können – mit zwei Punkten im Gepäck! Es ist eines der wenigen Highlights einer ansonsten tristen Saison: Am Ende steigt die SpVgg ab, Kassel wird trotz des sensationellen Niederlage Meister.
  • 1962/63. 1. FC Bayreuth – SpVgg Bayreuth 0:1 (Bayernliga Nord) Denkwürdiges Derby im FC-Stadion: Der FC um Spielertrainer Jumbo Zeitler und die gerade aus der 2. Liga abgestiegene SpVgg mit Fritz Semmelmann spielen um zwei Punkte, die in der Endabrechnung entscheidend sein sollen. Vor allem die beiden Veteranen stehen im Mittelpunkt des Geschehens, und zwar in tragischer Art und Weise: Zeitler wird in der 27. Minute von Dieter Stenger hart gefoult und kann sich fortan nur noch humpelnd fortbewegen; Semmelmann erwischt es in der 50. Minute noch schlimmer, er scheidet mit einem Unterschenkelbruch aus – und wird danach kein Spiel mehr für die Altstadt absolvieren. Später fliegt auch noch SpVgg-Verteidiger Georg Walther vom Platz. Zumindest ein Tor bekommen die rund 4.000 Zuschauer zu sehen: Ausgerechnet Stenger trifft vier Minuten nach seinem Foul gegen Zeitler zur Führung und letztendlich auch zum Sieg für die Altstadt, die die Saison auch dadurch vier Zähler vor dem FC abschließt – und sich im Gegensatz zum Rivalen für die eingleisige Bayernliga qualifiziert.
  • 1965/66: SpVgg Bayreuth – 1. FC Bayreuth 1:0 (Bayernliga) Nach zwei Jahren gelingt dem Bayreuther „Club“ die Rückkehr in die drittklassige Bayernliga – zumindest für ein Jahr. Am 6. März gewinnt die Altstadt durch ein frühes Tor von Speckner mit 1:0 – es ist das letzte Bayreuther Duell mit Beteiligung der Altstädter „Ersten“. Dass diese Derbys die Stadt elektrisiert haben, beweisen die knapp 5.000 Zuseher auf der Jakobshöhe: die höchste Zuschauerzahl der Saison.
  • 1967/68: SpVgg Bayreuth – 1. FC Lichtenfels 7:7 (Bayernliga) Eine Partie sinnbildlich für ein Jahrzehnt, in dem vor allem Offensive Trumpf ist. In der Saison 1967/68 fallen in den 34 Spielen mit Altstädter Beteiligung unglaubliche 146 Tore (4,3 pro Spiel!) – allein 14 davon im Duell mit dem 1. FC Lichtenfels am 28. Spieltag. Die Torfolge: 0:1 Ullmann (Eigentor, 18.) 0:2 Neckermann (21.) 1:2 Persau (26.) 2:2, 3:2 Größler (40., 42.) 4:2 Kolb (44.) 4:3 Dietz (48.) 5:3 Kolb (51.) 5:4 Dietz (54.) 6:4 Größler (60.) 6:5, 6:6 Erhardt (63., 65.) 7:6 Persau (73.) 7:7 Dietz (76.)
  • 1968/69: BC Augsburg – SpVgg Bayreuth 0:4 (Entscheidungsspiel um die Bayernliga-Meisterschaft) 6.500 Zuschauer in Ingolstadt, davon gut die Hälfte aus Bayreuth, werden Zeuge einer Demonstration Altstädter Stärke: Erich Scholti schnürt in der ersten Hälfte einen Doppelpack zur sicheren 2:0-Pausenführung, kurz nach Wiederanpfiff sorgt Manfred Größler bereits für die Entscheidung. Kurz vor Schluss gelingt Bruno Dvorak gar das 4:0, durch das sich die SpVgg zum zweiten Mal zum bayerischen Amateurmeister kürt – und damit in die zweitklassige Regionalliga Süd aufsteigt. In den Wochen zuvor hatten die Altstädter eine furiose Aufholjagd auf die Schwaben vollzogen, die (nach Punktgleichheit nach der Saison) in diesem 4:0 gipfelt.

Die Saisons im Überblick

WAS SONST NOCH GESCHAH​

  • Dass die Altstadt in den ersten Jahren keine sportlichen Höhenflüge ansetzen konnte, lag auch daran, dass sich die finanzielle Situation nach dem Abstieg aus der 2. Liga deutlich anspannt. Durch die deutlich geringeren Zuschauereinnahmen stehen 1962 Verbindlichkeiten in Höhe von 30.000 Mark zu Buche – eine ganze Menge für die damalige Zeit. Bis 1966 werden diese Schulden abgetragen.
  • Auch wenn Manfred Größler und Fritz Semmelmann nie gemeinsam in einem Ligaspiel auf dem Platz stehen, so finden sich in der Altstädter Geschichte mehrere Spiele mit den Namen „Größler“ und „Semmelmann“ in einer Aufstellung: Werner Größler, Mannes älterer Bruder, absolviert einige Spiele in der 2. Liga an der Seite Semmelmanns; dessen Sohn Hans Semmelmann kommt ab 1965 auf beachtliche 79 Ligaeinsätze – die meisten davon natürlich mit Manfred Größler auf dem Platz -, ehe er 1970 nach Kulmbach wechselt.
  • Der VfB Bayreuth, 1956 noch im Endspiel um die bayerische Meisterschaft, kommt in den 1960er Jahren nicht mehr über die Landesliga hinaus und trifft somit in der Liga nicht mehr auf die Altstadt. Und nachdem der 1. FC Bayreuth 1963 die Qualifikation für die eingleisige Bayernliga verpasste, kommt es nur noch einmal, in der Saison 1965/66, zu Ligaderbys mit Altstädter Beteiligung. Der VfB fusioniert 1969 mit dem TuSpo Bayreuth – also dem Verein, aus dem sich die SpVgg einst abgespaltet hatte – zum BSV 98. Der 1. FC Bayreuth hingegen bleibt noch für mehrere Jahrzehnte im Fußball eigenständig, ehe er im Jahr 2003 zum FSV Bayreuth fusioniert – mit dem BSV 98. So schließt sich der Kreis des Bayreuther Fußballs!
  • Nach dem Aufstieg in die Regionalliga im Jahr 1969 wird auf der Jakobshöhe die Haupttribüne überdacht und die Kapazität auf rund 10.000 Plätze erweitert. Erstmals fällt diese magische Marke beim Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg am 10. Mai 1970. Insgesamt sehen in der Regionalliga-Saison im Durchschnitt 6.500 Fans die Heimspiele ihrer Altstadt.

Das goldene Jahrzehnt

Die 1970er Jahre sind das goldene Jahrzehnt des Bayreuther Fußballs. Mit einer Mannschaft, die sich im Laufe des Jahre um die beiden Säulen Herbert Horn und Manfred Größler bildet, spielt die Altstadt im Konzert der ganz Großen mit und scheitert nur haarscharf am Aufstieg in die Fußball-Bundesliga.

Seinen Anfang nimmt der sportliche Höhenflug in der drittklassigen Amateurliga Nordbayern. Nach einer beispiellosen Saison – am Ende sind es nach Drei-Punkte-Regelung 26 Punkte Vorsprung auf die zweitplatzierte SpVgg Weiden – gelingt die Rückkehr in die Regionalliga Süd. Gerade auf der Jakobshöhe, auf der Größler und Co. 16 von 17 Spielen gewinnen (1 Remis), wird der Klassenunterschied Woche für Woche deutlich. Zurück in der Regionalliga kann, anders als noch zwei Jahre zuvor, die Klasse gehalten werden – haarscharf mit einem Sieg Vorsprung auf den Drittletzten, Opel Rüsselsheim. Doch in den Folgejahren gelingt es den Altstädtern, bei denen sich mittlerweile Rolf Kaul, Günther Klinkisch und Manfred Lucas zum bisherigen Stamm (Größler, Horn, Persau, Dvorak) gesellt haben, sich in der zweiten Liga zu etablieren.

1973 sogar vor dem 1. FC Nürnberg

1973 können die Halb-Profis von der Jakobshöhe sogar lange Zeit von der Teilnahme an der Aufstiegsrunde träumen: Am viertletzten Spieltag sind die Gelb-Schwarzen noch punktgleich mit dem späteren Zweiten, dem Karlsruher SC, verlieren das direkte Duell auswärts aber mit 0:2. Am Ende landet die Altstadt auf dem vierten Platz, punktgleich mit dem TSV 1860 München und sogar einen Platz vor dem 1. FC Nürnberg – zwei Vereine, die beide nur wenige Jahre zuvor die deutsche Meisterschaft gewonnen hatten und mit denen man sich auch in den Folgejahren packende Duelle liefern wird.

Zum Beispiel in der Folgesaison: Dort benötigt der Club am letzten Spieltag vor 29.000 Zuschauern einen Punktgewinn gegen die Altstadt, die bis zur 85. Minute mit 1:0 führt. Bester Altstädter an diesem Tag: Torwart Wolfgang Mahr, der vor der Saison aus Kronach auf die Jakobshöhe gewechselt war und einen Nürnberger Angriff nach dem anderen stoppt. Kurz vor Schluss kassiert er dann doch noch den Ausgleich, durch den sich der FCN den zweiten Rang und damit die Teilnahme an der Aufstiegsrunde sichert (dort scheitert er allerdings). Der Altstadt gelingt als Fünfter die Qualifikation für die zweigeteilte 2. Bundesliga, die die fünf Regionalligen ablöst. Dort wird ein Stadion mit einer Kapazität von 15.000 Zuschauern gefordert – der Altstadt bleibt also nichts anderes übrig als von der Jakobshöhe Abschied zu nehmen und ins Städtische Stadion an der Ellrodtzeile umzuziehen, was von den Oberhäuptern der Stadt ohnehin schon lange befürwortet wurde.

Mit Bobby Breuer im neuen Stadion in der 2. Bundesliga

Vor dem Start der ersten Bundesliga-Saison platzt noch eine Bombe: Der gebürtige Bayreuther Wolfgang „Bobby“ Breuer, der sich erst beim Rivalen aus Hof (bester Torschütze der Geschichte in der zweitklassigen Regionalliga Süd) und später bei Wacker Innsbruck (österreichischer Meister und Torschützenkönig) seine Sporen verdient hatte, kehrt unter tatkräftiger Mithilfe von Oberbürgermeister Hans Walter Wild zurück in seine Heimatstadt. Mit Klaus Brand (von Bayern München) und Herbert Heidenreich (eigene Jugend, wechselt später zum amtierenden Meister Borussia Mönchengladbach), die beide schon im Jahr zuvor gespielt hatten, sowie Norbert Hofmann (1. FC Bayreuth), Harald Bleckert (SVA Gütersloh) und Uwe Sommerer (eigene Jugend) spielen ab 1974/75 weitere prägende Gesichter für die Altstadt.

In der 2. Bundesliga landen die Altstädter nach anfänglichen Startschwierigkeiten – von den ersten elf Spielen werden nur zwei gewonnen, ausgerechnet gegen den 1. FC Nürnberg (3:1 vor 14.500 Zuschauern) und Hof (1:0 vor 11.000 Zuschauern) – im Mittelfeld auf Platz 9, darauf folgen ein fünfter (1975/76) und 14. Platz (1976/77). Und auch wenn die dritte Saison in der 2. Bundesliga Süd enttäuschend verläuft, macht man im Pokal erstmals auf sich aufmerksam: Erst im Viertelfinale ist gegen den Bundesligisten Rot-Weiß Essen Schluss, man unterliegt knapp mit 1:2.

1977/78 übernimmt schließlich Heinz Elzner das Traineramt für Gehard Happ, der die Altstadt in der 2. Bundesliga etabliert hatte. Und unter dem neuen Trainer mischen die Gelb-Schwarzen die 2. Liga anfangs mächtig auf: Die SpVgg, für die Uwe Sommerer in dieser Saison 25 Tore erzielt, wird Herbstmeister, nach dem 20. Spieltag stehen beeindruckende 16 Siege, ein Remis und gerade einmal zwei Niederlagen zu Buche. Doch es folgt erst eine Niederlagen- und dann auch noch eine Verletztenmisere – nach einer spektakulären 2:3-Niederlage vor 42.000 Zuschauern in Nürnberg, bei der der heimische Club die komplette zweite Hälfte in doppelter Überzahl spielt und trotzdem erst in der 78. Minute den Siegtreffer erzielen kann, ist man raus aus dem Aufstiegsrennen. Heute sagen viele, diese Mannschaft aus der Saison 1977/78 war die beste in der SpVgg-Historie – am Ende fehlt es aber in der Breite.

Der legendäre Pokalsieg gegen Bayern München!

Die folgende Saison verläuft vergleichsweise unspektakulär – zumindest in der Liga, wo man am Ende auf dem 13. Platz landet. Im Pokal allerdings sorgt die Altstadt deutschlandweit für Aufsehen: In der dritten Runde ist der spätere Deutsche Meister und UEFA-Pokal-Halbfinalist Bayern München mit Spielern wie Karl-Heinz Rummenigge und Paul Breitner zu Gast im Städtischen Stadion – das 1:0 vor 18.000 Zuschauern, das Uwe Sommerer auf schneebedecktem Geläuf durch sein Tor in der 22. Minute besorgt, ist das denkwürdigste Spiel der Bayreuther Fußball-Historie. Am Abend fachsimpeln Heinz Elzner, Bobby Breuer und Reinhard Brendel im ZDF-Sportstudio, und wie 1977 erreichen sie die Runde der letzten acht Teams – dort ist erst gegen Schalke 04 Schluss.

Der legendäre Sieg gegen Bayern München am 12. Januar 1980 ist quasi der Abschluss eines legendären Jahrzehnts und der größten Zeit der SpVgg Bayreuth, deren Routiniers Manfred Größler und Bobby Breuer wenig später ihre Karriere beenden. In den 1980er Jahren gehen dann andere Bayreuther Fußballsterne auf …

1978/79: Die historische Saison mit dem Fast-Aufstieg

Gegner im Finale war der TV Nürnberg-Gostenhof, Austragungsort das wenige Jahre zuvor eröffnete heutige Max-Morlock-Stadion mit seiner schon damals prägnanten achteckigen Form. Immerhin 4.000 Zuschauer fanden sich an jenem 19. Februar 1933 ein, die Partie hätte laut der anwesenden Journalisten jedoch deutlich mehr verdient gehabt: „Es gibt nur ein Wort des Lobes für das herrliche Kampfspiel der 22 Akteure und für das tadellose Benehmen der 22 Sportleute, die sich gestern […] gegenüberstanden. Wahrhaft meisterliche Leistungen konnte man da beobachten“, schrieb etwa das Nürnberger 8-Uhr-Blatt am Folgetag.

Gegen die favorisierten Nürnberger schlugen sich die Mannen von der Jakobshöhe mehr als achtbar, hatten in der ersten Hälfte nach einem Nürnberger Handspiel im Strafraum sogar die Chance auf die Führung, Mittelläufer Schmidt setzte den fälligen Strafstoß allerdings neben das Tor. Nach der Pause ging Nürnberg früh in Führung, worauf die Altstädter unbeeindruckt auf den Ausgleich spielten – doch nach einem Doppelschlag in der 60. und 63. Minute war die Partie entschieden, 0:3 aus Bayreuther Sicht hieß es dann auch am Ende.

Auch wenn es nicht zum großen Wurf reichen sollte: Die Fachzeitschriften attestierten dem aufstrebenden Klub aus Bayreuth eine große Zukunft, die Altstadt war endgültig auf der deutschen Fußball-Landkarte angekommen. Doch wie der gesamte Arbeitersport wurde sie kurz darauf durch die Nationalsozialisten wieder ausradiert.

Prägende Personen

  • Manfred Größler
    Größler, der schon die 1960er Jahre entscheidend mitgeprägt hatte, ist auch in den 1970ern der Kopf der Mannschaft und fehlt kaum ein Spiel. In der Saison 1978/79 steht er beispielsweise in allen 38 Ligaspielen auf dem Platz und erzielt 15 Tore – als 34-Jähriger!
  • Wolfgang Breuer
    Der „verlorene Sohn“, der einst von Tuspo Bayreuth nach Hof gewechselt war, kehrt aus Innsbruck nach Bayreuth zurück und bildet mit dem gleichaltrigen Größler eine unwiderstehliche Achse im Mittelfeld. Für die Altstadt absolviert er immerhin 198 Ligaspiele und erzielt dabei stattliche 57 Tore.
  • Herbert Horn
    Der Dauerläufer im Mittelfeld verpasst im gesamten Jahrzehnt gerade einmal elf (!) Ligaspiele – allein sechs davon wegen Sperren!
  • Rolf Kaul
    Der Abwehrspieler, der 1969 aus Kronach an die Jakobshöhe wechselt, ist für das gesamte Jahrzehnt in der Defensive gesetzt. Er spielt bis 1980 und steht insgesamt 349 Mal auf dem Platz. Dabei gelingen ihm zwar nur fünf Tore, eines davon ist aber legendär: Im Februar 1973 zieht er im Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg beim Stand von 1:0 für den Club knapp hinter der Mittellinie ab – und überrascht Torwart Hesselbach mit einem tückischen Aufsetzer. Die Altstadt gewinnt dank eines Freistoßtores von Manfred Größler sogar noch mit 2:1.
  • Uwe Sommerer
    Als 20-Jähriger aus dem eigenen Nachwuchs debütiert er 1974 in der 2. Bundesliga, wo er zu einem der gefährlichsten Angreifer wird. 1977/78 erzielt er 25 Tore, in der darauffolgenden Saison 24 Tore. Sein legendäres Tor („Halb Arsch, halb Oberschenkel“) besorgt zudem den legendären 1:0-Sieg gegen den FC Bayern München im Pokal. Mit insgesamt 106 Toren in der 2. Bundesliga (davon nur ein Elfmeter, denn die durfte ja niemand außer Manfred Größler schießen) steht er noch heute auf Platz 13 der ewigen Torschützenliste im Unterhaus.
  • Klaus Brand
    Der Mittelfeldspieler wechselt 1973 als 18-Jähriger vom FC Bayern München nach Bayreuth, wo er bis 1980 in 216 Ligaspielen auf dem Platz steht. Seinen größten Moment im SpVgg-Trikot erlebt er in seiner ersten Saison, als er auf der Jakobshöhe im Alleingang durch drei Tore einen 0:3-Rückstand gegen den FC Augsburg wettmacht.
  • Norbert Hofmann
    Der gebürtige Coburger stößt 1974 zur SpVgg, für die er bis 1979 insgesamt 170 Mal aufläuft. Dann wechselt er ausgerechnet zu Bayer Uerdingen, gegen die man zuvor noch in der Relegation verloren hatte. Für die Krefelder steht er 74 Mal in der Bundesliga auf dem Platz. In den 1990er Jahren wird Norbert Hofmann die Altstadt noch zweieinhalb Jahre trainieren.
  • Harald Bleckert
    Ein weiterer Dauerbrenner in der Defensive: 265 Spiele absolviert Bleckert, der 1974 aus Gütersloh nach Bayreuth wechselt, in der 2. Bundesliga für die Altstadt.
  • Herbert Heidenreich
    Der gebürtige Bindlacher verstärkt 1973 den Altstädter Angriff, wo er erst in der Regionalliga, später in der 2. Bundesliga auf sich aufmerksam macht: 1975/76 gelingen ihm in 37 Spielen 14 Tore, wodurch Borussia Mönchengladbach auf ihn aufmerksam wird. Mit den Gladbachern gewinnt er die die Meisterschaft und spielt im Halbfinale des Landesmeisterpokals. 1984/85 spielt er noch einmal eine Saison in Bayreuth.
  • Reinhard Brendel
    Ein weiterer Bayreuther, dem der Sprung aus der Altstädter Jugend in die 1. Bundesliga gelingt. Von 1976 bis 1980 ist er in der Defensive gesetzt, dann wechselt er in die Bundesliga zum 1. FC Nürnberg, für den er 1982 auch im Pokalfinale auf dem Platz steht. 1985 kehrt er für eine Zweitliga-Saison nach Bayreuth zurück.
  • Wolfgang Mahr
    Seine Zeit bei der Altstadt, die bis heute andauert, beginnt im Jahr 1973, als er vom FC Kronach nach Bayreuth wechselt. Bis 1985 ist er Stammtorwart, die größten Erfolge macht er als einer der besten Torhüter der 2. Liga überhaupt erst möglich. Insgesamt absolviert er 409 Ligaspiele bei der Altstadt, für die er später auch als Trainer (Aufstieg in die 2. Bundesliga!) und Manager arbeitet. Und er schießt sogar zwei Tore: 1983 trifft er beim Auswärtsspiel in Ampfing (5:1) zweimal selbst vom Punkt, einen Elfmeter hält er zudem.
  • Heinz Elzner
    Er ist der Trainer während der Altstädter Blütezeit: Die drei Saisons unter ihm von 1977 bis 1980 verlaufen allesamt denkwürdig – von der Herbstmeisterschaft (1977/78) über die Vize-Meisterschaft und Relegation (1978/79) bis hin zum Sieg gegen Bayern München (1979/80).
  • Die Vizemeister der 2. Bundesliga Süd (1979)
    Wolfgang Mahr, Norbert Schumbrutzki – Harald Bleckert, Rudolf Hannakampf, Norbert Hofmann, Rolf Kaul, Reinhard Brendel, Wolfgang Breuer, Harald Dollhopf, Werner Dorok, Herbert Horn, Uwe Schreml, Ronald Schwarz, Klaus Brand, Manfred Größler, Mogens Hansen, Uwe Sommerer, Heinz Tochtermann.

GROSSE SPIEL​

  • 1971/72: SpVgg Bayreuth – TSV 1860 München 3:1 (Regionalliga Süd) 11.000 Zuschauer auf der Jakobshöhe – kein einziger mehr hätte reingepasst! Durch den 3:1-Sieg gegen die Löwen macht die Altstadt einen wichtigen Schritt in Richtung Klassenerhalt.
  • 1972/73: 1. FC Nürnberg – SpVgg Bayreuth 1:2 (Regionalliga Süd) Vor 27.000 Zuschauern liegt die Altstadt bis kurz vor Schluss zurück, ehe Rolf Kaul von knapp vor der Mittellinie abzieht – und zur Überraschung aller zum Ausgleich trifft. Manfred Größler gelingt dann per Freistoß sogar noch das 2:1. Eine Sensation! Am Ende schließt die Altstadt die Saison vor dem Club ab.
  • 1973/74: SpVgg Bayreuth – FC Augsburg 3:3 (Regionalliga Süd) Spitzenspiel auf der Jakobshöhe: Am achten Spieltag empfängt der Zweite den Ersten! 10.000 Zuschauer, davon auch etliche Augsburger, deren Sonderzug quasi direkt neben dem Stadion Halt macht, sehen eine frühe 3:0-Führung der Gäste, die unter anderem den legendären Helmut Haller in ihren Reihen haben. Der wird an diesem Tag aber von Klaus Brand in den Schatten gestellt – denn der erzielt vor der Pause das 1:3 und schnürt in der zweiten Hälfte einen Doppelpack. Endstand 3:3!
  • 1973/74: SpVgg Bayreuth – FC Bayern Hof 5:1 (Regionalliga Süd) Der erste Heimsieg gegen die Hofer – und was für einer! Vier der fünf Tore erzielt Manfred Größler, eines davon sogar per Kopf. 6.000 Zuschauer auf der Jakobshöhe sind aus dem Häuschen!
  • 1976/77: SpVgg Bayreuth – FC Bayern München 2:1 (Freundschaftsspiel) Die Bayern sind mit dem kompletten Ensemble nach Bayreuth gereist – Maier, Schwarzenbeck, Beckenbauer, Rummenigge, Müller und Hoeneß spielen für den amtierenden Landesmeister-Pokalsieger durch. Doch vor 8.000 Zuschauern gewinnt die Altstadt, dank Toren von Manfred Größler und Gert Ockenfels.
  • 1976/77: SpVgg Bayreuth – Rot-Weiß Essen 1:2 (DFB-Pokal, Viertelfinale) Offenbach, Reutlingen, Bingen und Augsburg ausgeschaltet – und die Altstadt ist in der Runde der letzten acht! Das erste Viertelfinale der Geschichte (ein zweites wird drei Jahre später folgen) geht gegen den effizienten Bundesligisten Rot-Weiß Essen mit Horst Hrubesch vor 10.000 Zuschauern knapp mit 1:2 verloren.
  • 1977/78: 1. FC Nürnberg – SpVgg Bayreuth 3:2 (2. Bundesliga) Eine der legendärsten Niederlagen der SpVgg-Historie. 42.000 Zuschauer sind im Nürnberger Stadion, die größte Kulisse in der Altstädter Geschichte. Und die sehen, wie der Herbstmeister aus Bayreuth, der um seine letzte Chance im Aufstiegsrennen kämpft, erst durch Breuer und nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Sommerer in Führung geht. Kurz vor der Pause kann der Club erneut ausgleichen – und ist nach Roten Karten gegen Brand und Breuer zudem in doppelter (!) Überzahl. Doch die Altstadt liefert den Nürnbergern auch in der zweiten Hälfte einen erbitterten Kampf, hat sogar weiter Chancen. Erst in der 78. Minute gelingt Nürnberg der 3:2-Siegtreffer.
  • 1978/79: TSV 1860 München – SpVgg Bayreuth 1:3 (2. Bundesliga) Die Altstadt schockt den Bundesliga-Absteiger direkt am ersten Spieltag und gewinnt nach Toren von Horn, Sommerer und Brand im mit 22.000 Zuschauern vollgepackten Stadion an der Grünwalder Straße. Die beiden Klubs werden sich im Saisonverlauf einen harten Kampf um die Meisterschaft liefern, aus dem am Ende die Löwen knapp als Sieger hervorgehen.
  • 1978/79: SpVgg Bayreuth – Bayer Uerdingen 1:1 und 1:2 (Relegation um den Bundesliga Aufstieg) Haarscharf schrammt die Altstadt am Aufstieg in die Bundesliga vorbei. Im Hinspiel erzielt Größler vom Punkt die Führung, ein reguläres Sommerer-Tor wird kurz darauf nicht gegeben. Stattdessen fällt auf der anderen Seite und der Altstädter Sturmlauf bleibt ohne Erfolg. Im Rückspiel ein ähnliches Bild, dieses Mal gleicht aber die Altstadt aus – und bekommt in der zweiten Hälfte zwei Elfmeter verwehrt. Per Sonntagsschuss gelingt Uerdingen kurz vor Schluss das 2:1, als sich die meisten schon auf ein Entscheidungsspiel in Frankfurt eingestellt hatten.
  • 1979/80: SpVgg Bayreuth – FC Bayern München 1:0 (DFB-Pokal, 3. Runde) Das Spiel der Spiele! In der dritten Runde des Pokals gewinnt die Altstadt auf schneebedecktem Boden dank eines Sommerer-Tores gar nicht mal unverdient gegen den großen FC Bayern München, der in dieser Saison noch die Meisterschaft holen und im UEFA-Pokal bis ins Halbfinale vorstoßen wird. Die Altstadt erreicht zum zweiten Mal nach 1977 das Viertelfinale, wo man auswärts beim Bundesligisten Schalke 04 ran muss – und nach zwei späten Gegentoren mit 1:3 unterliegt.

Die Saisons im Überblick

WAS SONST NOCH GESCHAH​

  • Die Jakobshöhe, die nochmals ausgebaut ist und zu absoluten Schlagerspielen bis zu 11.000 Zuschauern „Platz“ bietet, wird ihrem Ruf als Hexenkessel mehrmals gerecht. Besonders aber am 19. August 1972: Beim Vorspiel des Derbys gegen den 1. FC Nürnberg bricht ein Torpfosten, Club-Trainer Tschik Cajkovski (Körpergröße 1,64m) kann beim notdürftig wieder aufgestellten Tor die Latte berühren. Die dicht gedrängten Zuschauer müssen 30 Minuten bis zum Anpfiff warten, dabei kommt Cajkovski nochmals in den Mittelpunkt: Der Mann, der Gerd Müller einst den Spitznamen „kleines, dickes Müller“ verpasst hatte, ohrfeigt einen Bayreuther Fan während einer Auseinandersetzung – dabei sollte der Käfig beim Spielertunnel doch eigentlich die Mannschaften und nicht die Fans schützen!
  • Der Umzug ins spätere Hans-Walter-Wild-Stadion im Jahr 1974 ist aufgrund der Auflagen des DFB unumgänglich, wirklich begeistert sind die Altstädter Anhänger aber nicht, ihre geliebte Jakobshöhe verlassen zu müssen. Die beiden ersten Siege im neuen Stadion ausgerechnet gegen Nürnberg (vor 14.500 Zuschauer) und Hof (vor 11.000) Zuschauer dürften die Fanseele etwas beruhigt haben.
  • Das Stadion an der Ellrodtzeile, das bereits 1967 eingeweiht wurde, erhält seine imposante Tribüne erst im Vorfeld dieser ersten Zweitliga-Saison. Mit den 14.500 Zuschauer, die gegen Nürnberg II kommen, ist die Kapazität des Stadions zu dieser Zeit bereits ausgereizt. Im Vorfeld der Aufstiegsspiele gegen Uerdingen wird dann die Westkurve ausgebaut, mit Hilfe von Zusatztribünen passen bei diesem „Spiel der Spiele“ über 22.000 Zuschauer ins weite Rund.
  • Im November 1974 wird mit Jeno Vincze erstmals ein Trainer bei der SpVgg Bayreuth entlassen.
    Während der 1970er Jahre kommt es zur Wachablösung im oberfränkischen Fußball: Der FC Bayern Hof, der zu Beginn des Jahrzehnts noch klar die Nase vorn hat, steigt 1978 aus der 2. Bundesliga ab. In den nächsten 16 Jahren trifft man in der Liga nur in einer einzigen Spielzeit wieder aufeinander – 1983/84 in der Bayernliga.

BAYERNS DRITTE KRAFT

Wie 20 Jahre zuvor, als Fritz Semmelmann und Jumbo Zeitler Anfang der 1960er Jahre ihre Karrieren beendeten, kommt es zu Beginn der Achtziger zu einem Generationenwechsel. Dieses Mal sind es drei andere Idole des Bayreuther Fußballs, die ihre Fußballschuhe an den Nagel hängen: Manne Größler und Bobby Breuer hören 1982 auf, Herbert Horn folgt ein Jahr später. In deren Fußstapfen tritt eine neue Generation Bayreuther Fußballer mit Namen wie Rüdiger Scheler oder Armin Eck.

ABSTIEG AUS DER EINGLEISIGEN 2. BUNDESLIGA

In den ersten beiden Jahre des neuen Jahrzehnts gehen Größler, Breuer und Horn aber noch gemeinsam voran und schaffen in der Saison 1980/81 als Tabellenneunter souverän die Qualifikation für die neue eingleisige 2. Bundesliga (in die Wertung gingen dabei neben der Platzierung in dieser Saison auch die Ergebnisse der beiden Vorsaisons ein, wobei man durch die Vizemeisterschaft 1979 über eine sehr gute Ausgangsposition verfügt hatte).

In der Spielzeit 1981/82 misst sich die Altstadt also bundesweit mit Top-Mannschaften, so zum Beispiel mit dem FC Schalke 04, Hertha BSC Berlin oder aber auch mit Bayer Uerdingen, dem Gegner in der Aufstiegsrelegation zwei Jahre zuvor. Damals befand sich die Bayreuther Mannschaft auf ihrem Zenit, der nun bereits bereits überschritten war. Ab dem sechsten Spieltag steht die Altstadt ununterbrochen auf einem Abstiegsplatz, am Ende der Saison steigt man als Letzter nach elf Jahren ununterbrochener Zweitklassigkeit in die Bayernliga ab. Immerhin: Im Pokal erreicht man noch einmal das Achtelfinale, wo gegen Werder Bremen Schluss ist (0:2).

In der Bayernliga heißen die Gegner zwar nicht mehr Schalke, Berlin oder Köln, für heutige Verhältnisse hat die Liga aber viel zu bieten – auch weil 1860 München 1982 nach dem vierten Platz in der 2. Bundesliga keine Lizenz erhält und die Altstadt in die Drittklassigkeit begleitet. In den nächsten Jahren geht es neben den Löwen gegen den FC Augsburg, Jahn Regensburg, die SpVgg Fürth oder Schweinfurt 05, dazu kommen oberfränkische Duelle mit Frohnlach, Helmbrechts, Bamberg oder Hof. Neben Routiniers wie Torwart Wolfgang Mahr, Herbert Horn in dessen letztem Karrierejahr und Uwe Sommerer, der auch in der Bayernliga nichts von seiner Torgefahr einbüßt und auf 20 Tore in 23 Einsätzen kommt, sind es nun vor allem junge Eigengewächse, die das Gerüst der Mannschaft bilden: Spieler wie Jörg Dittwar, Klaus Gebhardt, Udo Konradi, Rüdiger Scheler oder Armin Eck prägen von nun an das Spielgeschehen im Städtischen Stadion.

MIT ECK UND CO. ZURÜCK IN DIE 2. BUNDESLIGA

1982/83 wird man erst (mit großem Abstand hinter Meister Unterhaching) Dritter, in der Saison darauf Vierter, dieses Mal allerdings nur drei Punkte hinter Meister 1860 München, der jedoch – wie im Jahr zuvor Unterhaching – in der Aufstiegsrunde scheitert. Besser macht es die Altstadt, bei der mittlerweile Hans Wölfel als Präsident und Hauptsponsor agiert, in der Saison 1983/84: Unter Trainer Erich Beer sichert man sich am letzten Spieltag mit einem 5:2 gegen 1860 München die Meisterschaft in der Bayernliga und setzt sich in der anschließenden Aufstiegsrunde gegen Aschaffenburg, Salmrohr und Sandhausen souverän durch. Nach drei Jahren Bayernliga ist die Altstadt zurück in der 2. Bundesliga!

Wie schon 1981/82 ist allerdings nach nur einem Jahr wieder Schluss. Zwar halten die Altstädter deutlich besser mit als noch vier Jahre zuvor, sie leisten sich aber gleich mehrere Schwächephasen. So gelingt vom zweiten bis zum sechsten Spieltag kein Sieg, zwischen November bis März gelingt in 14 Partien nur ein einziger Erfolg. Und doch fehlt am Ende (allerdings bei deutlich schlechterem Torverhältnis) nur drei Punkte zum Klassenerhalt. Dass die Bayreuther Mannschaft in dieser Spielzeit zu mehr im Stande gewesen wäre, beweist sie am letzten Spieltag: Mit einem 1:0-Heimsieg gegen Kassel bringt man die Nordhessen um die Aufstiegsrelegation.

DIE LÖWENBÄNDIGER VOM ROTEN MAIN​

Doch nach nur einem Jahr gelingt die Rückkehr. Unter Wolfgang Mahr, der im Laufe der Saison den Trainerposten von Greben übernimmt und dafür seinen Platz zwischen den Pfosten nach 13 Jahren an Roland Grüner abtritt, liefert sich die Altstadt von Beginn an ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Münchner Löwen, die im direkten Duell zweimal mit 3:1 geschlagen werden. Der zweite Vergleich findet passenderweise am letzten Spieltag der Saison statt, vor 20.000 Zuschauer im Städtischen Stadion kommt es zwischen dem Ersten und Zweiten sozusagen zum „Endspiel um die bayerische Meisterschaft“. Der Ex-Löwe Günther Stockinger, Jörg Wolff, der in dieser Saison siebenmal und in den darauffolgenden Bundesligajahren stets zweistellig trifft, und der vom FC Bayern umworbene Rüdiger Scheler entscheiden die Partie zugunsten der Altstadt. In der Aufstiegsrunde gegen Offenbar, Trier und (wieder) Sandhausen gelingt schließlich die erneute Qualifikation für die 2. Bundesliga.

Dort schafft die Altstadt das Kunststück, gleich zweimal in Folge die Klasse am „Grünen Tisch“ zu halten. Unverdient ist das allerdings nicht, denn sowohl 1987/88 als auch 1988/89 spielt die SpVgg soliden Zweitliga-Fußball. Wie schon beim Abstieg 1986 gibt es in beiden Saisons aber eklatante Schwächeperioden, wodurch man erst punktgleich mit Oberhausen, ein Jahr später dann nur einen Punkt hinter Offenbach den ersten Abstiegsplatz belegt. Zur Einordnung: 1988 wird die Saison in der 20er-Liga nach Drei-Punkte-Regel mit 47 Punkten abgeschlossen, im Jahr darauf mit 46 Punkten – beides eigentlich Bilanzen, die eigentlich zum Klassenerhalt reichen sollten. Da aber erst Oberhausen und dann Offenbach die Lizenz entzogen wird, bleibt die Altstadt zweimal in der Liga.

ERST HANS WÖLFELS TOD, DANN DER ABSCHIED AUS LIGA 2​

Nach der Saison 1989/90 ist es aber endgültig aus mit Zweitliga-Fußball in Bayreuth: Vier Spieltage vor Schluss rutscht man durch ein 3:0 in Osnabrück zwar noch einmal über den Strich, nach zwei Niederlagen aus den letzten vier Spielen ist der Abstieg aber besiegelt – am Ende fehlt nur ein Sieg. Noch härter trifft den Verein jedoch das plötzliche Ableben von Präsident und Mäzen Hans Wölfel, der im Februar 1990 nach einer Familienfeier in München einen Herzinfarkt erleidet.

Zurück in der Bayernliga und ohne ihren starken Mann und Sponsor blickt die Altstadt einem schweren Jahrzehnt entgegen.

Prägende Personen

  • Wolfgang Mahr
  • Hans Wölfel
  • Rüdiger Scheler
  • Udo Konradi
  • Armin Eck
  • Jörg Dittwar
  • Klaus Gebhardt
  • Günther Stockinger
  • Heinz Schneider
  • Die Vizemeister der 2. Bundesliga Süd (1979)
    Wolfgang Mahr, Norbert Schumbrutzki – Harald Bleckert, Rudolf Hannakampf, Norbert Hofmann, Rolf Kaul, Reinhard Brendel, Wolfgang Breuer, Harald Dollhopf, Werner Dorok, Herbert Horn, Uwe Schreml, Ronald Schwarz, Klaus Brand, Manfred Größler, Mogens Hansen, Uwe Sommerer, Heinz Tochtermann.

GROSSE SPIELE​​

  • 1981/82: Werder Bremen – SpVgg Bayreuth 2:0 (DFB-Pokal Achtelfinale) Der letzte große Auftritt im DFB-Pokal: Nach Siegen unter anderem gegen Uerdingen (3:1) qualifiziert sich die Altstadt für das Achtelfinale, wo man auswärts im Bremer Weserstadion ranmuss und nach zwei Toren von Erwin Kostedde mit 0:2 verliert. Sieben Jahre später, in der Saison 1988/89, kommt es zum Wiedersehen, dieses Mal gewinnt Werder als amtierender Deutscher Meister mit 6:1 – allerdings schon in der 2. Runde.
  • 1984/85: VfL Frohnlach – SpVgg Bayreuth 3:7 (Bayernliga) Torfestival in der Bayernliga! Vor 4.000 Zuschauern erzielt Rüdiger Scheler drei Tore, Richard Thanner trifft doppelt. Die weiteren Tore erzielen Hubert Besl und Armin Eck. Nach einer guten Stunde ist die Partie nach dem Frohnlacher Anschlusstreffer zum 2:3 noch einmal spannend – doch die Altstadt lässt vier Tore in 18 Minuten folgen!
  • 1984/85: SpVgg Bayreuth – TSV 1860 München 5:2 (Bayernliga) Die Altstadt benötigt am letzten Spieltag mindestens ein Unentschieden, um die Meisterschaft in der Bayernliga klarzumachen. Nach dem Führungstor für die Löwen in der siebten Minute durch Bauer zittert man kurz, ehe Stockinger noch vor der Pause den Ausgleich besorgt. Zwei Tore durch Rückkehrer Herbert Heidenreich und Rüdiger Scheler in der 57. und 58. Minute stellen die Weichen vor 4.500 Zuschauern dann auf Sieg, in der Schlussphase treffen (nach dem zwischenzeitlichen Anschlusstor) nochmals Rüdiger Scheler und Richard Thanner, der in dieser Spielzeit 16 Treffer markiert.
  • Die Aufstiegsrunde 1985 Gegen Salmrohr, Sandhausen und Aschaffenburg macht die Altstadt im Sommer 1985 schon in der Hinrunde fast alles klar: Vor 6.000 Zuschauern gelingt zum Auftakt ein 2:1-Heimsieg gegen Salmrohr, anschließend gewinnt man dank zweier später Tore von Eck und Scheler mit 3:1 in Sandhausen und mit 2:0 in Aschaffenburg – vor 16.000 Zuschauern hat die SpVgg wie schon in Sandhausen den längeren Atem und trifft durch Eck (76.) und Stockinger (82.) spät. Drei Tage nach dem Sieg in Aschaffenburg ist die Viktoria zu Gast in Bayreuth, wo 9.000 Zuschauer dem Aufstieg entgegenfiebern – und beim 0:5 bitter enttäuscht werden. Doch eine Woche später, vor 5.000 Zuschauern, trifft Richard Thanner in der 88. Minute gegen Sandhausen zum 2:1 und macht damit den Aufstieg perfekt. Das abschließende 1:4 in Salmrohr hat nur noch statistischen Wert, neben der Altstadt (die am Ende mit 10:12 Toren ein negatives Torverhältnis hat) geht Viktoria Aschaffenburg hoch in die 2. Bundesliga.
  • 1985/86: SpVgg Bayreuth – Hessen Kassel 1:0 (2. Bundesliga) Ein Spiel vergleichbar mit dem Altstädter 2:4 gegen Frankfurt im Jahr 1979. Bei Kassel stehen die Zeichen auf Bundesliga-Relegation, die bereits abgestiegene Altstadt vermasselt den Gästen die Chance auf den Aufstieg. Für Kassel ist die Niederlage Teil eines Traumas, den Mitte der Achtziger scheitern die Nordhessen mehrfach knapp am Bundesliga-Aufstieg.
  • 1986/87: TSV 1860 München – SpVgg Bayreuth 1:3 (Bayernliga) Die bis dahin noch ungeschlagenen Löwen haben vor 22.000 Zuschauern im Grünwalder Stadion zum Abschluss der Hinrunde die Chance, auf sechs Zähler (bzw. drei Siege) davonzuziehen. Doch die Altstadt gewinnt dank Toren von Jörg Wolff, Jörg Dittwar und des überragenden Armin Eck verdient mit 3:1 und bleibt im Rennen.
  • 1986/87: SpVgg Bayreuth – TSV 1860 München 3:1 (Bayernliga) Das Rennen geht tatsächlich bis zum letzten Spieltag. Beim 0:0 in Schweinfurt in der Vorwoche verpasst die Altstadt die vorzeitige Meisterschaft, so kann 1860 noch hoffen. Doch die Löwen brauchen einen Sieg, während der Altstadt ein Unentschieden reicht. Doch so weit kommt es gar nicht: Nach einem Doppelschlag von Stockinger und Wolff in der 17. und 18. Minute ist die Altstadt auf der Siegerstraße, muss nach einem Stockinger-Eigentor kurz vor der Pause allerdings noch einmal bangen. Scheler erlöst den Großteil der 20.000 Zuschauer in der 88. Minute dann mit dem Tore zum 3:1-Endstand.
  • Die Aufstiegsrunde 1987 Dieses Mal startet an nicht so gut wie noch zwei Jahre zuvor in die Aufstiegsrunde: Gegen Offenbach holt man zum Auftakt vor 5.000 Zuschauern zumindest ein 2:2, in Trier unterliegt man dann jedoch mit 0:3 und steht gehörig unter Druck. Nach zwei Siegen gegen Sandhausen (auswärts 2:1, zu Hause mit 4:0) ist allerdings klar: ein Sieg im Rückspiel gegen Trier und man ist zurück in der 2. Bundesliga! Und die Revanche gelingt, dank zweier später Tore: Heinz Schneider erzielt vor 7.500 Zuschauern in der 81. Minute das 1:0, Heinrich Dumpert, dem als 21-Jährigen in der Schlussphase der Saison fünf eminent wichtige Tore gelingen, legt direkt danach das 2:0 nach. Aufstieg! Einmal mehr bekleckert man sich zum Abschluss der Aufstiegsrunde nicht mit Ruhm und verliert die sechste Partie mit 0:5 bei den Offenbacher Kickers, die sich dadurch ebenfalls für die 2. Bundesliga qualifizieren.
  • 1987/88: SpVgg Bayreuth – SC Freiburg 5:1 (2. Bundesliga) Gegen die in dieser Saison soliden Breisgauer gelingt nach Toren Stockinger, einem Doppelpack von Wolf, Staudner und schließlich Scheler ein souveräner Heimsieg. In der Freiburger Aufstellung findet sich (neben dem Souleyman Sané) auch ein gewisser Joachim Löw.
  • 1988/89: SpVgg Bayreuth – FSV Mainz 05 4:1 (2. Bundesliga) Durch den souveränen Heimsieg gegen den direkten Konkurrenten ist die Altstadt nach 25 Spieltagen Elfter. Eine Woche später gelingt ein Punktgewinn gegen den späteren Aufsteiger FC Homburg. Am Ende der Saison reicht es sportlich dennoch nicht, am Grünen Tisch gelingt der Klassenerhalt trotzdem.
  • 1989/90: SpVgg Bayreuth – FC Schalke 04 1:1 (2. Bundesliga) Einer von zwei Punktgewinnen gegen den „großen“ FC Schalke 04, dem man in drei Saisons gegenüber steht. Die Gelsenkirchener, die Ende März mit Aufstiegshoffnungen nach Bayreuth fahren, müssen in der 88. Minute den Bayreuther Ausgleichstreffer durch Heinz Schneider hinnehmen. Es folgen Krawalle in der Westkurve. Einmal mehr zeigt die Altstadt, dass sie mit den „Großen“ durchaus mithalten kann.
  • 1989/90: 1. FC Saarbrücken – SpVgg Bayreuth 0:0 (2. Bundesliga) Das letzte Spiel in der 2. Bundesliga! Beim 1. FC Saarbrücken, der um die Aufstiegsrelegation kämpft (und diese auch erreicht, weil der Konkurrent, die Stuttgarter Kickers, ebenfalls patzt), zeigen die Mannen aus Bayreuth eine tolle Leistung und erkämpfen sich ein Remis. Da die Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt, namentlich Osnabrück (3:1 gegen Schalke 04) und Hessen Kassel (2:0 gegen Hertha BSC) ihre Partien gegen Top-Teams gewinnen, ist der Punktgewinn allerdings wertlos. Zumindest aber gelingt ein ehrenwerter Abschied aus dem Profifußball.

Die Saisons im Überblick

  • 1980/81: 2. Bundesliga Süd (2. Liga)
    9. Platz – 60:53 Tore – 39:37 Punkte
    Qualifikation für die eingleisige 2. Bundesliga
    DFB-Pokal: 2. Runde (1:3 gegen VfB Stuttgart)
  • 1981/82: 2. Bundesliga (2. Liga)
    20. Platz – 40:76 Tore – 22:54 Punkte
    DFB-Pokal: Achtelfinale (0:2 gegen Werder Bremen)
  • 1982/83: Bayernliga (3. Liga)
    3. Platz – 74:42 Tore – 46:26 Punkte
    DFB-Pokal: 2. Runde (0:1 gegen Hertha BSC)
  • 1983/84: Bayernliga
    4. Platz – 71:52 Tore – 48:28 Punkte
    DFB-Pokal: 1. Runde (1:2 n.V. gegen FC Augsburg)
  • 1984/85: Bayernliga
    1. Platz – 80:40 Tore – 50:18 Punkte
    In Aufstiegsrunde gegen Aschaffenburg, Sandhausen und Salmrohr für die 2. Bundesliga qualifiziert
    DFB-Pokal: 2. Runde (1:2 gegen Union Solingen)
  • 1985/86: 2. Bundesliga (2. Liga)
    18. Platz – 40:73 Tore – 31:45 Punkte
  • 1986/87: Bayernliga (3. Liga)
    1. Platz – 72:35 Tore – 52:20 Punkte
    In Aufstiegsrunde gegen Offenbach, Sandhausen und Trier für die 2. Bundesliga qualifiziert
    DFB-Pokal: 1. Runde (0:3 n.V. gegen SG Wattenscheid)
  • 1987/88: 2. Bundesliga (2. Liga)
    17. Platz – 55:66 Tore – 33:43 Punkte
    Klassenerhalt am „Grünen Tisch“ (Lizenzentzug für Oberhausen)
  • 1988/89: 2. Bundesliga
    17. Platz – 52:60 Tore – 34:42 Punkte
    Klassenerhalt am „Grünen Tisch“ (Lizenzentzug für Offenbach)
    DFB-Pokal: 2. Runde (1:6 gegen Werder Bremen)
  • 1989/90: 2. Bundesliga
    18. Platz – 54:59 Tore – 31:45 Punkte
    DFB-Pokal: 1. Runde (1:4 gegen 1. FC Pforzheim)

WAS SONST NOCH GESCHAH​

  • In der eingleisigen 2. Bundesliga kommt es zu einem kuriosen Wiedersehen mit Bayer Uerdingen, dem Relegationsgegner von 1979. Uerdingen gewinnt in der Grotenburg-Kampfbahn mit 3:2 – und unter den Torschützen der Gastgeber finden sich mit Norbert Hofmann und Klaus Brand zwei Spieler, die 1979 noch auf Bayreuther Seite gespielt hatten. Genau zwei Wochen später steht man sich dann in der 1. Runde des DFB-Pokals wieder gegenüber – dieses Mal gewinnt die Altstadt mit 3:1. Das Tor für Uerdingen schießt: Norbert Hofmann.
  • Nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga plagen den Verein Schulden in Höhe von 1,5 Millionen Mark. Hans Wölfel, der zu dieser Zeit als Präsident und Sponsor einsteigt, verhindert den freien Fall und sorgt mit seinem Engagement für einen neuen Aufschwung.
  • In der eingleisigen 2. Liga ist die Altstadt auch mehrmals zu Gast im Berliner Olympiastadion – vor spärlich besetzten Rängen: 1985 kommen beim Heimspiel von Hertha BSC 3.962 ins weite Runde, 1989 sind es bei Blau-Weiss Berlin 3.200 Zuschauer.
  • 1985/86 findet sich ein gewisser Wolfgang April im Bayreuther Kader. Seine ersten Spiele absolviert der gebürtige Pole noch unter dem Namen Boguslaw Kwiecien, ehe er am 9. Januar 1986 die deutsche Staatsbürgerschaft annimmt – und seinen neuen Namen.
  • Ein weiterer Pole im SpVgg-Dress ist Jan Jalocha, der 1988 vom FC Augsburg nach Bayreuth wechselt und insgesamt 67 Spiele in der 2. Bundesliga absolviert (10 Tore). Der bleibt bei seiner polnischen Staatsbürgerschaft, schließlich hatte er sogar 28 Spiele für deren Nationalmannschaft absolviert – unter anderem bei der WM 1982 in Spanien.
  • Mit Li Hui trägt 1988/89 sogar ein Chinese das gelb-schwarze Trikot. Das Experiment geht allerdings nicht wirklich auf, er wird nur viermal eingewechselt.
  • Auch echte Fußballprominenz spielt in dieser Zeit in Bayreuth. 1981/82 spielt Michael Tönnies für die Altstadt, der zehn Jahre später in der Bundesliga gegen Oliver Kahn innerhalb von fünf Minuten einen Hattrick erzielt (der Rekord wird erst 2016 von Robert Lewandowski gebrochen); Armin Veh, Meistertrainer des VfB Stuttgart 2007, trägt von 1988 bis 1990 das SpVgg-Trikot.

Zwischen den Welten

Für die Altstadt beginnt die letzte Dekade des Jahrtausends mit einem Schock: Im Februar 1990 stirbt Hans Wölfel völlig überraschend im Alter von nur 51 Jahren. Sofort ist klar, dass der Verein, der gerade seinen Präsidenten und Finanzier verloren hat, schweren Zeiten entgegenblickt – der Abstieg aus der 2. Bundesliga und eine Darlensforderung in Höhe von 500.000 Mark durch Wölfels Erben verschärfen die Situation zusätzlich.

Da das Interims-Duo um Wilhelm Sutter und Eugen Schiller den Verein mit viel Einsatz am Leben hält, kann aber weiter Fußball gespielt werden – wenn auch nicht besonders erfolgreich. Nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga verabschieden sich zahlreiche Leistungsträger, dennoch denkt vor der Saison kaum einer an die Möglichkeit, direkt in die Landesliga durchgereicht zu werden. Am Ende kann man die Bayernliga in der Relegation über Siege gegen Frohnlach und Gundelfingen halten, wobei zweimal Heinz Schneider zum Matchwinner avanciert. Es soll nicht die letzte Relegation in diesem durchwachsenen Jahrzehnt bleiben – die letzte enttäuschende Spielzeit auch nicht.

Nach einem neunten Platz in der Saison 1991/92 startet die Altstadt mit hohen Erwartungen in die dritte Bayernliga-Spielzeit, immerhin verfügt die Mannschaft über hoffnungsvolle Talente wie Michael Hofmann und Heiko Gröger, mit Klaus Gebhardt, Aleksandar Abutovic, Heinz Schneider und Frank Türr finden sich zudem einige Routiniers mit Zweitliga-Erfahrung im Team. Doch diese Erwartungen werden bitter enttäuscht: In den ersten zwölf Spielen gelingt nur ein einziger Sieg, nach der Hinrunde sind es deren drei; am Ende schafft man den Klassenerhalt durch einen Sieg im letzten Heimspiel gegen den bereits als Meister feststehenden TSV 1860 München – und dank Schützenhilfe des VfL Frohnlach.

Relegation um den Regionalliga-Aufstieg

1993/94 misslingt die Qualifikation für die neue Regionalliga – aufgrund der schwachen Platzierungen in den beiden Vorjahren war es faktisch unmöglich, unter die sechs Teams zu kommen, die aus der Bayernliga in die Regionalliga vorrückten -, doch im Jahr darauf gibt es für die SpVgg-Anhänger endlich wieder Grund zum Jubeln. Zunächst wird durch einen außergerichtlichen Vergleichs der Konkurs abgewendet, in der Saison 1994/95 erreicht man, mit Rückkehrer Werner Thomas und dem aus der Saas gekommenen Jörg Pötzinger, hinter Wacker Burghausen immerhin den zweiten Platz und hat über die Relegation die Chance auf den Aufstieg. Gegen den VfR Pforzheim scheitert man aber krachend, am Ende unterliegt man mit 0:4.

Zwei Jahre später geht es dann schon wieder in die Relegation – dieses Mal aber wieder um den Ligaverbleib. Dort besiegelt das 1:2 gegen Jahn Regensburg den Absturz in die fünftklassige Landesliga. Ein Jahr nach dem 75. Jubiläum ist die SpVgg Bayreuth am Boden.

Überraschender Wiederaufstieg – doch es geht wieder runter

Nicht wenige erwarten vor der Landesliga-Spielzeit 1997/98, in die Trainer Klaus Gebelein eine blutjunge Mannschaft schickt, dass die Altstadt direkt in die Bezirksliga durchgereicht wird. Doch Spielern wie Markus Praschil, Timo Füßmann, Sandro Rehm, Klaus Steinlein, Thomas Helldörfer oder natürlich Werner Thomas (27 Tore) gelingt, nach einem Sieg im „Endspiel“ beim Würzburger FV am letzten Spieltag, unerwartet die Rückkehr in Liga 4 – aus der man aber direkt als Vorletzter wieder absteigt.

Das Jahrzehnt endet in der fünftklassigen Landesliga – und das gleich in mehrfacher Sicht tragisch. Armin Eck, vor der Saison 1999/2000 eigentlich als Spielertrainer verpflichtet, reißt sich bei einem Pokalspiel auf Bezirksebene das Kreuzband und absolviert kein weiteres Spiel für die Altstadt; in der Landesliga reichen 107 Tore (50 davon von Werner Thomas!) nicht für den Aufstieg, als Tabellenzweiter hinter dem 1. FC Sand geht es – wieder einmal – in die Relegation; dort kommt es gegen den MTV Ingolstadt zum absoluten Fiasko, die entscheidende Partie wird mit 0:6 verloren.

Die Rückkehr in die Landesliga wird erst eine Saison später gelingen – und die Jahre darauf werden so manche dunkle Erinnerung aus den 1990er Jahren vergessen machen.

Prägende Personen

  • Udo Konradi
  • Klaus Gebhardt
  • Heinz Schneider
  • Michael Hofmann
  • Klaus Steinlein
  • Jörg Pötzinger
  • Heiko Gröger

GROSSE SPIEL​

  • SpVgg Bayreuth – TSV 1860 München 3:2 (Bayernliga, 1992/93) Vor 2.500 Zuschauern gewinnt die Altstadt am vorletzten Spieltag gegen den alten Rivalen, der bereits als Aufsteiger feststeht, und verhindert damit den eigenen Abstieg in die Landesliga.
  • SpVgg Bayreuth – FC Bayern Hof 3:0 (Bayernliga, 1994/95) Zum ersten Mal seit über zehn Jahren kommt es zum oberfränkischen Derby. Und auf dem Platz ist entsprechend Feuer drin: Schon zur Pause sind zwei Hofer mit Gelb-Rot vom Feld geflogen, die Altstadt führt da durch einen Elfmeter von Libero Bayer bereits mit 1:0. Nach der Pause legt Preis das 2:0 nach, ehe Renner in der 65. Minute für die Altstadt vom Feld fliegt. Ein weiterer Foulelfmeter von Bayer in der 70. Minute sorgt für den 3:0-Endstand.
  • Würzburger FV – SpVgg Bayreuth 1:2 (Landesliga Nord, 1996/97) 2.300 Zuschauer sind in Würzburg zum Showdown zu Gast – am letzten Spieltag trifft der Zweite auf den Ersten! Würzburg kann mit einem Sieg noch an der Altstadt vorbeiziehen und geht in der 31. Minute auch in Führung. Doch nur zwei Minuten später gleicht Werner Thomas aus. Nach der Pause erzielt Timo Füßmann per Traumtor das 2:1 – die Altstadt kehrt zurück in die Bayernliga!

Die Saisons im Überblick

WAS SONST NOCH GESCHAH​

  • Im Lauf der 1990er Jahre gibt es vier Änderungen im Präsidentenamt. Nach Hans Wölfels überraschenden Tod übernehmen Wilhelm Sutter und Eugen Schiller erst interimsweise, Schiller wird später auch offiziell zum ersten Vorsitzenden gewählt. Er wird später von Wolfgang von Götzendorf abgelöst, auf den 1998 schließlich Heinz Wicklein folgt – der das Amt dann für knapp zehn Jahre innehaben wird.
  • Geldsorgen bestimmen das gesamte Jahrzehnt. Nach Wölfels Tod und dem Abstieg aus der 2. Bundesliga hat der Verein bereits 1,4 Millionen Mark Schulden, drei Jahre später liegen die Verbindlichkeiten bereits bei 2 Millionen Mark. Nur durch einen außergerichtlichen Vergleich kann der Konkurs abgewendet werden.
  • Die Schulden führen auch dazu, dass schließlich das baufällige Stadion auf der Jakobshöhe verkauft wird. Das ist nur möglich, weil die Stadt Bayreuth das Gelände als Gewerbegebiet deklariert und die Brauerei Glenk, Inhaber des größeren Teils des Stadiongrundstücks, ebenfalls zum Verkauf bereit ist.
  • Für Schlagzeilen sorgt die Altstadt in dieser Phase auch, weil ein Spieler im Jahr 1995 gleich zweimal die Sparkasse in Mistelbach ausraubt – und dann von der Polizei aus dem Mannschaftsbus geholt wird.