Bayreuth und ganz Deutschland liegen nach dem 2. Weltkrieg in Trümmern, doch wie im ganzen Land beginnt auch auf der Jakobshöhe rasch der Wiederaufbau: Nachdem die Nazis die Altstädter Fußballer 1933 (damals noch unter dem Namen FSVgg Bayreuth-Altstadt) ausradiert hatten, wurde der Verein am 4. November 1945 zum zweiten Mal gegründet – Hans Pritschet hatte zuvor bei der amerikanischen Militärregierung in der Richard-Wagner-Straße die Wiedergründung beantragt. Die „SpVgg Bayreuth“, wie sie nun heißt, war der erste Verein in der Umgebung, der diese Genehmigung erhielt.
Zwar findet schon eine Woche später gegen den TSV Donndorf das erste Spiel statt, es ist jedoch viel Arbeit notwendig, ehe auf der Jakobshöhe wieder von geregelten Abläufen gesprochen werden kann. Treffend fasst das ein Zitat der Bayreuther Fußballlegende Fritz Semmelmann zusammen: „Alles war verwildert: Die Kassen und Umkleidekabinen waren abgerissen, der Holzzaun verschürt, auf dem Altstädter Platz standen nur noch die beiden Tore. Da haben wir uns gesagt: ‚So, etz fanga ma an‘.“ Insgesamt 96 Personen – 50 „alte“ und 46 „neue“ Mitglieder packen zu Beginn an. 24 Altstädter Fußballer waren im sinnlosen Krieg gefallen, viele sind in Kriegsgefangenschaft.
Ihre ersten Spiele nach der Neugründung absolviert die SpVgg Bayreuth übrigens nicht im traditionellen Schwarz-Gelb, sondern ungewohnt in weißen Jerseys und roten Hosen (siehe Titelbild). Es war eine Ironie des Schicksals: Jene Hosen waren zuvor aus Hakenkreuzfahnen genäht worden – und ein weißes Hemd hatte noch jeder zu Hause. „Wir sind in der Altstadt herumgelaufen, in die Häuser ehemaliger Spieler, die im Krieg gefallen sind oder in Gefangenschaft saßen, haben nach Fußballschuhen, Strümpfen und Trikots gefragt“, erinnert sich Fritz Semmelmann später.
Nach einem Jahr in der fünftklassigen Bezirksklasse Bayreuth spielt die Altstadt ab 1946 in der Gruppenliga Oberfranken Ost (später Kreisliga Oberfranken Ost), in der es nun gegen Mannschaften wie den VfB Helmbrechts, den SV Mitterteich oder den FC Stadtsteinach geht – und natürlich gegen die Lokalrivalen VfB und 1. FC Bayreuth, gegen die es vor dem Krieg keine Pflichtspiele gegeben hatte, immerhin war man in unterschiedlichen Dachorganisationen aktiv gewesen.
Von nun an elektrisieren diese Lokalderbys aber die Bayreuther Bevölkerung. Trotz einiger Achtungserfolge ist die Spielvereinigung aber noch die dritte Kraft in der Stadt – das wird sich im nächsten Jahrzehnt aber ändern …